Ärzte Zeitung online, 06.10.2010

UN: Krisenländer brauchen mehr Hilfe gegen Hunger

ROM (dpa). Obwohl die Zahl der weltweit Hungernden erstmals seit 15 Jahren rückläufig ist, bleibt die Situation besonders in Krisenländern weiterhin dramatisch. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) wies am Mittwoch in Rom in ihrem Welthungerbericht darauf hin, dass von Dauerkrisen betroffene Länder wie Afghanistan wesentlich mehr unter Lebensmittelunsicherheit als andere Entwicklungsländer leiden.

Die FAO hatte bereits im September berichtet, dass die Zahl der weltweit unter Hunger und Unterernährung leidenden Menschen im laufenden Jahr voraussichtlich von über einer Milliarde auf 925 Millionen Menschen sinken werde. Grund für die Entwicklung sei, dass sich nach der Weltwirtschaftskrise die Bedingungen in den Entwicklungsländern verbessert hätten und die Lebensmittelpreise gesunken seien.

22 Staaten macht der Hungerreport in der Kategorie der Krisenländer aus. Darunter sind Kriegsregionen wie Afghanistan, Somalia, die Republik Kongo und der Gazastreifen aber auch das erdbebenverwüstete Haiti. 166 Millionen, etwa 20 Prozent aller weltweit unterernährten Menschen, lebten in diesen durch häufige Naturkatastrophen oder Krieg dauerhaft gefährdeten Regionen, so die FAO.

Im Moment empfingen viele der Krisenländer weit mehr als 10 Prozent der Entwicklungshilfe in Form von unmittelbarer humanitärer Hilfe. Um Hunger und Unterernährung langfristig effektiv zu bekämpfen, sei jedoch eine stärkere Unterstützung lokaler Infrastrukturen vor allem in der Landwirtschaft notwendig, erklärten die FAO und das Welternährungsprogramm der UN (WFP) in dem Bericht.

"Obwohl die Landwirtschaft für die Bevölkerung der Krisenländer die wichtigste Quelle für Nahrung und Einkommen darstellt, erhält sie im Moment nur drei bis vier Prozent der Unterstützung", mahnten die UN-Organisationen.

2009 litten - auch als Folge der Weltwirtschaftskrise - erstmals mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger. Das war der höchste Wert seit 1970. Die sinkenden Hungerzahlen seien dennoch kein Grund zur Freude, warnte die FAO, denn weiterhin sterbe alle sechs Sekunden ein Kind an Hunger und Unterernährung. Und aufgrund kürzlicher Preissteigerungen könnte sich die Situation auch wieder verschlechtern.

Hunger-Portal der FAO

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