Ärzte Zeitung online, 07.10.2010

Kleinster Mann der Welt war als Baby nur handgroß

POKHARA (dpa). Als Baby passte er in die Handfläche seiner Mutter. Heute, im ausgewachsenen Zustand, reicht er den Erwachsenen bis zum Knie. Mit 56,5 Zentimeter Körpergröße ist Khagendra Thapa Magar der kleinste Mann der Welt.

Kleinster Mann der Welt war als Baby nur handgroß

Genau 56,5 cm misst der kleinste Mann der Welt, Khagendra Thapa Magar aus Nepal.

© dpa

Am 14. Oktober, zu seinem 18. Geburtstag, soll das Guinness-Buch der Rekorde dem Nepalesen diesen Titel offiziell verleihen. Wenn sich der kleine Mann setzt, ist er in etwa so groß wie eine Wasserflasche. Viereinhalb Kilogramm wiegt er.

Wenn Magar Besucher begrüßt, legt er seine Handflächen in der traditionellen nepalesischen Weise aneinander und sagt "Namaste" - das Grußwort in seinem Land. Dabei zieht sich ein sanftes Lächeln über sein kleines Gesicht. Die Stimme ist kaum zu hören. Magar steht vor der Kochnische seiner Mutter in einem etwa zwölf Quadratmeter großen Raum. Mehr Zimmer hat die Wohnung der Familie nicht - zu viert wohnen sie dort. Drei Quadratmeter für jeden.

Magar öffnet einen Schrank, der ungefähr doppelt so groß ist wie er, und angelt mit einiger Schwierigkeit eine Schüssel voller Radieschenstücke hervor. Die wolle er sich zum Abendessen garen, berichtet er. "Er kocht gerne", sagt seine Mutter Dhanmaya Thapa Magar. "Er kocht Reis für sich selber auf einem niedrigen Kocher und hilft mir immer, das Gemüse zu schneiden."

An seinem 18. Geburtstag am 14. Oktober soll Khagendra Thapa Magar zum kleinsten Mann der Welt erklärt werden. Dann ist er volljährig und gilt nicht mehr als Kind. Aber seine Mutter sagt, für sie sei er immer noch ein Kleinkind, das ständig beaufsichtigt werden müsse. Noch nie in all den Jahren habe sie Magar alleingelassen.

"Als er geboren wurde, passte er in meine Handfläche", erinnert sich die Mutter. "Ihn in diese Welt zu bringen, war nicht schwierig, aber ihn großzuziehen, war sehr schmerzvoll." Dhanmaya muss die ganze Zeit sehr vorsichtig sein - ihr Kind wirkt geradezu zerbrechlich. Früher war der Junge konstant gewachsen, bis er elf Jahre alt war. Dann setzte sein Wachstum völlig aus. Kleinwüchsigkeit muss nicht vererbt werden, es kann auch viele verschiedene äußere Ursachen haben.

Mit 56,5 Zentimetern und viereinhalb Kilogramm Körpergewicht ist Magar nun ausgewachsen. Bis vor vier Jahren konnte er noch gerade stehen. Jetzt ist er ein Stück zur Seite gebeugt, weil seine rechte Körperhälfte damals etwas langsamer gewachsen war. Der kleine Mann hat nie Anzeichen einer ernsten Erkrankung gezeigt. Aber er hat häufig ein bisschen Fieber und oft bekommt er einen Husten.

Magar trägt sportliche bunte Kleidung, die eigentlich für Zweijährige gedacht ist. An den Füßen sitzen zehn Zentimeter lange Schuhe - eine Extraanfertigung, die ihm das Guinness-Buch geschenkt hat. Magar strahlt, als seine Familie vom nahenden Geburtstag spricht. "Ich werde einen großen Geburtstag haben dieses Mal", ruft der kleine Mann und schleudert seine Ärmchen zur Seite. Dann strahlt er noch ein bisschen mehr und sagt, er werde eine Torte mit mehreren Schichten bekommen. Seine Stimme quietscht dabei.

Magar lebt seit 2006 in Pokhara, etwa 150 Kilometer westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Im vergangenen Jahr kam er in den Kindergarten, wo er seinen Namen auf nepalesisch schreiben lernte. Er träumt davon, Arzt zu werden und seiner Familie in Pokhara ein mehrstöckiges Haus zu bauen. Die glücklichste Zeit seines Lebens, sagt er, habe er Anfang 2010 in Italien gehabt. Dort traf er den inzwischen gestorbenen He Pingping, den ehemals kleinsten Mann der Welt. Er maß 74,61 Zentimeter - ein gutes Stück größer als Magar.

Zwischenzeitlich hat der Kolumbianer Edward Niño Hernandez den Titel übernommen. Der 24-Jährige trat vor kurzem die Nachfolge des im März gestorbenen Chinesen He Pingping an. Doch auch Hernandez überragt den kleinen Magar mit 70,21 Zentimetern noch ein Stück.

"Anfangs war er sehr schüchtern und hasste es, fotografiert zu werden", sagt seine Mutter. "Aber jetzt hat er keine große Scheu mehr davor, Menschen zu treffen." Am 14. Oktober wird es eine große Feier in Pokhara geben, um Magar den Titel offiziell zu verleihen.

Magar liebt es, zur traditionellen nepalesischen Musik zu schunkeln. Manchmal singt er auch. Er ist religiös und betet jeden Morgen zu Buddha. Er liebt Pflanzen und schnauzt seine siebenjährige Cousine jedes Mal an, wenn sie irgendwo ein Blatt abpflücken will. Und Magar spielt gerne. "Er schmeißt mit Dingen nach mir, wenn er richtig wütend wird und niemanden für seine Lieblingsspiele findet", sagt sein jüngerer Bruder Mahesh (14), der ganz normal groß ist. "Aber ansonsten kommen wir ganz gut miteinander klar."

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