Ärzte Zeitung online, 29.10.2010

Studie: Bisphenol A macht Spermien kaputt

OAKLAND (eb). Die umstrittene Kunststoffchemikalie Bisphenol A (BPA) reduziert offenbar die Zahl und Qualität von Sperminen - zumindest bei Männern, die mit diesem Stoff arbeiten. BPA wirkt hormonell und steht schon länger in Verdacht, Krankheiten wie Diabetes und KHK zu begünstigen.

Studie: Bisphenol A macht Spermien kaputt

Bedroht von allen Seiten: Spermien.

© dpa

In der neuen, gerade veröffentlichten Studie wurden Daten von 218 Arbeitern in vier verschiedenen Fabriken in China erhoben (Fertility and Sterility online vorab). Untersucht wurden die BPA-Konzentrationen im Urin der Arbeiter sowie Zahl, Beweglichkeit und Morphologie ihrer Spermien.

Ein Teil der Arbeiter kam in den Fabriken nicht mit BPA in Berührungen, die anderen waren während ihrer Arbeit BPA ausgesetzt. Die Forscher um Dr. De-Kun Li von der US-Versicherung Kaiser Permanente in Oakland, Kalifornien, korrelierten die Daten und verglichen die Expositionsgruppe mit der ohne BPA-Belastung.

Ergebnis der Studie: Männer mit BPA im Urin hatten

  • ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko für Spermien mit eingeschränkter Beweglichkeit,
  • ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für Spermien mit geringer Vitalität
  • und ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko, überhaupt wenig Spermien zu haben.

Die Unterschiede sind nach Angaben der Studienautoren signifikant. Eine Assoziation zwischen BPA und deformierten Spermien wurde in der Studie dagegen nicht gefunden.

Bisphenol A (BPA)

Bisphenol A wird als Ausgangsstoff für polymere Kunststoffe wie PET verwendet. Der Stoff ist hormonell wirksam. BPA wird in vielen Produkten Plastikflaschen bis Zahnversiegelungen verwendet. In Tierversuchen wurde nach Angaben der Washington Post festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen BPA und Gesundheitsproblemen wie Unfruchtbarkeit, Gewichtszunahme, Verhaltensstörungen, vorzeitiger Pubertät und Diabetes gibt.

"Je stärker die BPA-Exposition, desto geringer die Spermienqualität", wird Li in der Washington Post zitiert. Die Studie ist nach Angaben der Forscher die erste, die einen negativen Einfluss von BPA auf die Spermienqualität bei Menschen gefunden hat.

In zwei früher publizierten Studien hatten Li und seine Kollegen bereits einen Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und erektiler Dysfunktion sowie weiteren sexuellen Problemen gefunden.

In dem Artikel der Washington Post zu der Studie gibt es einen Disput über die allgemeine Aussagekraft der Daten. Steven G. Hentges vom US-amerikanischen Chemistry Council wies darauf hin, dass US-Amerikaner solch hohen BPA-Dosen nie ausgesetzt seien. Außerdem gebe es weltweit in Regierungsbehörden Konsens darüber, dass geringe BPA-Mengen nicht gesundheitsschädlich seien.

Studienleiter Li hält dagegen, dass bereits BPA-Urinkonzentrationen, wie sie auch bei US-Amerikanern gefunden würden, Spermien beeinträchtigen könnten. Li sagte aber auch, dass die Zahl der Studienteilnehmer zu gering sei, um sagen zu können, ob BPA jeden Mann unfruchtbar machen könne. Dennoch sein Rat: Wo immer möglich, BPA vermeiden!

Viele Hersteller haben bereits im vergangenen Jahr angekündigt, BPA nicht mehr zu verwenden, besonders auch nicht für Babyflaschen oder Schnuller.

Abstract der Studie "Urine bisphenol-A (BPA) level in relation to semen quality"

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