Ärzte Zeitung online, 30.10.2010

US-Regierung gegen Gen-Patente

NEW YORK (dpa). Zur umstrittenen Patentierung von Genen hat die US-Regierung überraschend einen Schwenk vollzogen. Einem Zeitungsbericht zufolge lehnt es die Administration jetzt ab, dass Forscher neu entdeckte Gene patentieren lassen können.

US-Regierung gegen Patentierung von Genen

Farblich markierte Feinstrukturen von Chromosomen: Für die US-Regierung spricht mittlerweile einiges gegen die Patentierbarkeit von Genen.

© dpa

Dagegen soll der Patentschutz für Erbanlagen, die Forscher etwa zur Heilung bestimmter Krankheiten im Labor verändert haben, unangetastet bleiben, berichtete die "New York Times" am Samstag.

Die 180-Grad-Wende, die das Justizministerium am späten Freitag in einer Stellungnahme zum Gerichtsstreit um die zwei bedeutenden Krebsgene BRCA1 und BRCA2 bekanntgab, könnte enorme Auswirkungen auf die Medizin und die Biotech-Industrie haben.

"Es ist uns klar, dass unsere Einstellung der langjährigen Praxis des US-Patentamtes sowie der Nationalen Gesundheitsinstitute (...) widerspricht", heißt es im Schreiben des Ministeriums.

Eine Reaktion des Patentamtes lag zunächst nicht vor. Nach Angaben des Blattes ist unklar, ob das Amt sich der neuen Devise anschließen wird. Das Amt patentiert seit Jahrzehnten neu entdeckte Gene und hat schätzungsweise bereits 20 Prozent der humanen Gene patentiert.

In der kontrovers geführten Diskussion für und gegen den Patentschutz machen Kritiker geltend, dass er andere Forscher ausschließe und damit die Suche nach neuen Therapien einschränke. Befürworter halten dagegen, dass ein Patent Sicherheit biete und die Suche nach Genen und Gentherapien beflügele.

In der Begründung für seine veränderte Position führt das Ministerium an, dass ein Gen etwas Natürliches sei, und Natur nicht patentiert werden könne. Die Gegenseite behauptet, dass es sich bei einem isolierten und entnommenen Gen um eine "chemische" Einheit handelt.

Bericht der "New York Times": U.S. Says Genes Should Not Be Eligible for Patents

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