Ärzte Zeitung online, 02.11.2010

Kopf-Airbag: Neuer Fahrradhelm aus Schweden

KOPENHAGEN/MALMÖ (dpa). In Schweden ist ein neuer Kopfschutz für Fahrradfahrer vorgestellt worden. Er sieht aus wie ein um den Hals gelegter Schal. Beim Sturz lösen Sensoren den darin eingenähten Airbag aus und der Schutz stülpt sich blitzschnell um den Kopf. Nicht ganz billig, aber sicher und gut für die Frisur, sagen die Erfinderinnen.

Kopf-Airbag: Neuer Fahrradhelm aus Schweden

Der neue Fahrradhelm aus Schweden - hier mit aufgeblasenem Airbag. Der Helm ist im Normalfall nur eine Art Schal um den Hals.

© dpa

"Wir wollten den unsichtbaren Fahrradhelm erfinden, der die Frisur nicht kaputtmacht. Jetzt ist es soweit", sagt Anna Haupt. Die Schwedin und ihre Partnerin Terese Alstin lassen ab Neujahr den "Hövding" ("Häuptling") produzieren und bringen ihn zunächst in Nordeuropa auf den Markt.

Sechs Jahre haben die schwedischen Industriedesignerinnen getüftelt, geforscht und probiert. Gemeinsam hatten sie sich für ihre Diplomarbeit an der Universität Lund die Aufgabe gestellt, einen unsichtbaren Fahrradhelm zu entwickeln. "Erreichen wollten wir all die Radler, die bisher keinen Helm aufsetzen, weil sie sich zu eingeengt fühlen oder Sorge um die Frisur haben", berichtet Haupt aus ihrem Atelier in Malmö.

Umfangreiche Puppen-Tests, die als Film auch im Internet zu sehen sind, haben nach Überzeugung der Erfinderinnen die "völlige Marktreife des Produkts" gezeigt. Der Helm stülpe sich wirklich nur bei Stürzen über den Kopf, nicht aber, wenn man etwas überhastet abbiegt oder auf einen Kantstein trifft.

Deutsche Radler müssen auf die schwedische Erfindung noch auf unbestimmte Zeit warten. Das habe mit den "sehr unterschiedlichen Rad-Verhaltensweisen in verschiedenen Landesteilen zu tun", so Haupt. Ansonst aber seien die Deutschen mit ihrer "ingenieursmäßigen Grundhaltung" ein hochinteressantes Land.

Wohl auch deshalb, weil es hier einen riesigen Markt, aber noch keine Helmpflicht gibt wie etwa in Finnland. In Schweden müssen Kinder und Jugendliche bis 15 auf dem Rad einen Helm tragen, und von den Älteren tut es ihnen schon mehr als die Hälfte freiwillig gleich. Jetzt sollen hier und in anderen Ländern auch die dazu kommen, die Sicherheit vor Kopf- und Hirnverletzungen mit modischem Schick verbinden wollen: Die Halskrause gibt es in allen möglichen Farben und Designs, die je nach Mode auch ständig wechseln können und sollen.

Das gute Aussehen und die allzeit intakte Frisur haben ihren Preis: Wer jetzt vorbestellt, muss umgerechnet gut 320 Euro (3000 Kronen) hinblättern.

Film mit Unfall-Tests des neuen Helms

Homepage des Herstellers (schwedisch)

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