Ärzte Zeitung online, 04.11.2010

San Francisco sagt "Happy Meals" den Kampf an

Spielzeuge haben bei kalorienreichen "Happy Meals" nichts zu suchen. Davon ist zumindest der Stadtrat von San Francisco überzeugt, der jetzt mit einem umstrittenen Verbot gegen Fast-Food-Ketten ins Feld zieht.

Von Barbara Munker

San Francisco sagt "Happy Meals" den Kampf an

Fast-Food: In San Francisco bald schon ohne Spielzeug im "Happy Meal".

© dpa

SAN FRANCISCO. Der Burger und die Pommes im "Happy Meal" sind für viele nur der halbe Spaß. Es sind die beigelegten Spielzeuge, mit der McDonald's und andere Fast-Food-Ketten junge Kundschaft anlocken. Doch dem sagt der Stadtrat von San Francisco nun den Kampf an.

Als erste US-Großstadt will die Westküstenmetropole den Fast-Food-Ketten verbieten, den Verkauf von ungesunden "Happy Meals" durch Spielzeug-Geschenke anzukurbeln. Das Gremium verweist auf den bedrohlichen Anstieg von übergewichtigen Kindern, die sich ungesund ernähren.

"Dies ist ein riesengroßer Sieg für die Gesundheit unserer Kinder", zitierte der "San Francisco Chronicle" am Mittwoch den Initiator des Verbots, Stadtrat Eric Mar. Zwar hat der Bürgermeister der Westküstenstadt ein Veto gegen die umstrittene Entscheidung angekündigt, doch der Entwurf sei nicht in Gefahr, hieß es. Das Gesetz soll im Dezember kommenden Jahres in Kraft treten.

Dann wird es Fast-Food-Ketten verboten sein, kalorienreichen Kindergerichten Spielzeuge als Werbegeschenk beizulegen. Nur "gesündere Happy Meals", die eine Liste von strikten Ernährungsvorschriften erfüllen, dürfen zusammen mit Spielzeugen verkauft werden.

Diese Gerichte müssen weniger Fett, Salz und Zucker enthalten und Obst und Gemüse mitliefern. Die Mahlzeit darf 600 Kilokalorien nicht überschreiten, mit weniger als 35 Prozent der Kalorien im Fett.

McDonald's sei von dieser Entscheidung "extrem enttäuscht", sagte Firmensprecherin Danya Proud. Die Kunden würden sich so etwas nicht wünschen. Familienvater Mel Turner, der am Mittwoch in San Francisco seinen drei Kindern bei McDonald's Fritten und Burger auftischte, pflichtete bei. "Man kann nicht alles vorschreiben", sagte der 37-Jährige. "Das ist wie beim Fernsehgucken, das sollten auch die Eltern entscheiden."

Der kleine kalifornische Bezirk Santa Clara County hatte bereits im Frühjahr einer Handvoll Schnellrestaurants "Happy Meal"-Verbot erteilt, wenn verlockende Spielzeuge beigelegt werden. In San Francisco sind Dutzende Fast-Food-Ketten betroffen.

Der Stadtrat habe damit den Begriff "Happy" aus den beliebten Kindermahlzeiten verbannt, sagte Scott Rodrick, Besitzer von zehn McDonald's-Filialen, dem "San Francisco Chronicle". Es sei kein Verbot von "Happy Meals", sondern nur ein Anreiz, gesünderes Essen zu servieren, verteidigte Stadtrat Mar die Entscheidung.

Erst im September schlugen Experten wegen der steigenden Zahl dicker Menschen Alarm. Weltweit Spitzenreiter sind - wenig überraschend - die Fast-Food-Länder USA und Mexiko. Dort waren zuletzt zwei von drei Menschen übergewichtig, rund jeder Dritte wurde als fettleibig eingestuft.

Sorgen bereitet US-Ärzten vor allem der Nachwuchs. Manche der fettleibigen Kinder zeigten den Beginn von Krankheiten, die bisher frühestens bei 40-Jährigen auftraten: Herz- und Kreislaufleiden, Fettleber, Diabetes Typ 2, Gallensteine und Gelenkverschleiß.

"Wir sind Teil einer Bewegung, die sich immer stärker für Food-Gerechtigkeit einsetzt", verteidigte Mar den Beschluss. Sein Amtskollege Bevan Dufty pflichtete bei: "Dann muss man eben einem Shrek-Spielzeug eine Tüte Möhren beilegen", schlug der Politiker vor. "Unser Gesetz ist ein kleiner Schritt, der den Firmen zeigt, dass sie etwas ändern müssen." (dpa)

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