Ärzte Zeitung, 11.02.2011

Ein Netzwerk für sozial engagierte Ärzte

Soziales Engagement ist für viele Ärzte selbstverständlich. Eine Stiftung will jetzt das Engagement bündeln und sichtbar für die Öffentlichkeit machen. Auch sollen kleinere Hilfsprojekte so schnelle Unterstützung bekommen.

Von Pete Smith

Ein Netzwerk für sozial engagierte Ärzte

"Wir werden als Ärzte nur noch über Honorardiskussionen wahrgenommen", so Gründerin Ulrike Lipke. Ihre Organisation will das ändern.

© Stiftung docstogether.net

Ein Netzwerk für sozial engagierte Ärzte

Ärzte verrichten nicht nur in ihrem Alltag Dienst am Menschen. Viele Mediziner sind darüber hinaus karitativ tätig, indem sie Geld für Bedürftige spenden oder ehrenamtliche Einsätze leisten.

Ihr Engagement zu bündeln und damit einer größeren Öffentlichkeit bewusst zu machen, hat sich die Stiftung docstogether.net zur Aufgabe gemacht.

"Die Stiftung ist unsere Chance, gemeinsam etwas zu tun, gemeinsam etwas zu bewegen", sagt die Berliner Ärztin Ulrike Lipke, die Deutschlands erstes soziales Ärzte-Netzwerk ins Leben gerufen hat. Die Idee: Durch viele kleine Spenden soll ein Auffangnetz für akute und doch nachhaltige Hilfestellungen geknüpft werden.

Mit einem Jahresbeitrag von 120 Euro kann jeder Arzt die Arbeit der Stiftung unterstützen und erhält dafür eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Der Verwaltungsaufwand sei auf ein Minimum beschränkt, versichern die Initiatoren des Netzwerks, so dass das gespendete Geld fast vollständig den hilfsbedürftigen Patienten und Organisationen zugute komme.

"Krankheit ist, insbesondere wenn es sich um chronische Krankheiten handelt, häufig mit sozialen Problemen bis zum sozialen Absturz verbunden", erklärt Professor Ulrich Brandl, Leiter der Abteilung für Neuropädiatrie an der Universität Jena und Vorsitzender des Stiftungsbeirates von docstogether.net.

"Das aus unserem Krankenversicherungssystem finanzierte Gesundheitssystem kann es sich nicht leisten, hier für zusätzliche Abhilfe zu sorgen." Die Stiftung will helfen, wo die staatliche Fürsorge endet. Ihre Gemeinnützigkeit wurde im Juni des vergangenen Jahres anerkannt.

Ein weiteres Ziel von docstogether.net ist, den Menschen in Deutschland zu zeigen, dass Ärzte sich auch außerhalb ihres Berufsfelds engagieren und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Auf der Homepage der Stiftung wird eine Spenderliste veröffentlicht, anhand derer sich Patienten darüber informieren können, welcher Arzt in ihrer Nähe sich auch privat für andere einsetzt. Jeder Spender erhält den Aufkleber "Stiftung docstogether.net - Soziales Ärztenetzwerk Deutschland", mit dem er in seiner Praxis oder Klinik auf das eigene soziale Engagement aufmerksam machen kann.

Bei der Operngala der Deutschen Aids-Stiftung Anfang November hat sich das Ärzte-Netzwerk docstogether.net zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Stiftung übergab einen Scheck über 100 000 Euro an das von der Aids-Stiftung geförderte Wohnprojekt Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg, in dem derzeit 27 Aids-Patienten betreut und gepflegt werden und dessen Ziel es ist, Betroffenen eine weitgehende Autonomie zu gewährleisten.

Darüber hinaus unterstützt docstogether.net die Björn-Schulz-Stiftung für Familien mit schwerst- und unheilbar kranken Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Hospize in Cottbus und Frankfurt/Oder sowie die Obdachlosenambulanz in Berlin hätten bereits Spendenanträge gestellt, teilte die Stiftung mit.

"Wir werden als Ärzte nur noch über Honorardiskussionen wahrgenommen, und das ist nicht die Realität, in der wir leben", beklagt Stiftungsgründerin Ulrike Lipke. "Es ist zunehmend wichtiger, dass wir uns als Ärzteschaft unserer sozialen Verantwortung bewusst werden und uns dieser auch stellen."

Die Stiftung hofft, demnächst bis zu 10 000 Mitglieder zu haben. Lipke und ihre Mitstreiter wollen jedoch mehr: Ihr Ziel ist es, alle 120 000 niedergelassenen und stationär tätigen Ärzte in ihrer Stiftung zu vereinen. Auf Großspenden aus der Industrie werde man verzichten, teilte die Stiftung mit, auch bleibe die Homepage frei von jeglicher Werbung. Das Signal ist eindeutig: docstogether.net will völlig unabhängig sein und eine Stiftung der Ärzte bleiben.

Gebührenfreie Hotline für mehr Infos: 0800-3627638;
www.docstogether.net

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