Ärzte Zeitung online, 12.11.2010

13 Jahre Bau am Riesenteleskop - kein Ende in Sicht

TONANTZINTLA (dpa). Auf einem erloschenen Vulkan in Mexiko entsteht das größte Einzelteleskop der Welt. Seit 13 Jahren bauen die Mexikaner bereits daran - ein Bild aus dem All gibt es aber immer noch nicht. Schon bald soll in Chile eine bessere Anlage ihre Arbeit aufnehmen.

Es ist das Lebenswerk des mexikanischen Physikers Alfonso Serrano Perezgrobas: das große Millimeterteleskop ("Gran Telescopio Milimétrico"). Vor 20 Jahren hat Serrano in Zusammenarbeit mit der Universität von Massachusetts begonnen, das größte wissenschaftliche Projekt der Geschichte Mexikos zu planen.

Nun thront es auf dem etwa 4500 Meter hohen Vulkan Sierra Negra. Seit 13 Jahren wird es gebaut, 2006 wurde es eingeweiht. Doch auch vier Jahre später hat das 120 Millionen US-Dollar teure Projekt noch keine Bilder aus den Tiefen des Weltraumes geliefert.

"Irgendwann werden sie es hinkriegen, irgendwie", sagt der niederländische Physiker und Astronom Jacob Baars. Der Wissenschaftler vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie war Hauptingenieur in der Anfangsphase des Projektes. Kurz vor Baubeginn verließ er jedoch das Vorhaben, nach eigenen Angaben aus Frust, weil die mexikanische Leitung seine Anregungen nicht beachtete. Als das Unternehmen 2008 zu scheitern drohte, wurde Baars mit anderen Experten noch einmal hinzugezogen, um es zu retten.

Der von dem deutschen Ingenieur Hans Kärcher entworfene Stahlkoloss wiegt 2500 Tonnen und ist schon von weitem zu sehen. Die Parabolantenne hat einen Durchmesser von 50 Metern und eine Fläche von 2000 Quadratmetern. Damit ist die Anlage das weltweit größte Einzelteleskop. Es kann Radiowellen aus Entfernungen von Milliarden Lichtjahren empfangen. Doch wegen der Größe und der Komplexität gab es immer wieder Probleme mit dem Projekt rund 250 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt.

Um zumindest die Funktionalität des Giganten zu beweisen, schlugen Baars und Kärcher 2008 vor, zunächst einen Teil der Teleskopfläche in Betrieb zu nehmen. Frühestens im Frühjahr 2011 soll dies nun auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern mit 32 Metern Durchmesser erfolgen. Erst dann wird entschieden, ob die Parabolantenne auf die geplanten 2000 Quadratmeter mit 50 Metern im Querschnitt erweitert werden kann. "Wenn 50 Meter verfügbar wären, wäre das ein großer Fortschritt", erklärt Baars.

Derzeit werden aus Italien gelieferte speziell beschichtete Reflektoren in einer eigens gebauten Halle des Institutes für Astrophysik von Tonantzintla bei Puebla ausgemessen und ausgerichtet, damit sie in das Teleskop eingepasst werden können. Auf dem Vulkan werden sie extremen Bedingungen ausgesetzt sein: Stürmen, Regen, Schnee und vor allem starker Sonneneinstrahlung und Kälte.

Die Zeit läuft den Mexikanern davon. In der chilenischen Atacamawüste entsteht gerade die noch größere internationale Anlage ALMA, bei der 66 kleinere Teleskope zusammengeschaltet werden. Damit wird sie aus viel entfernteren Tiefen des Universums Signale empfangen können - und vermutlich die Fähigkeiten der mexikanischen Anlage in den Schatten stellen. "Die Mexikaner müssen sich beeilen, wenn sie ALMA zuvorkommen wollen," sagt Baars.

Nationales Institut für Astrophysik, Optik und Elektronik (spanisch)

Topics
Schlagworte
Panorama (30041)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So ticken Amokläufer

Narzissten, Querulanten, Rächer: Amoktäter fallen meistens schon vor der Tat auf. Um Taten verhindern zu können, gibt es jetzt eine Anlaufstelle für Eltern, Lehrer und Mitschüler. mehr »

Wann droht Ärger mit Kassen und Patienten?

Gehören Zeitvorgaben aus der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) mit auf die Rechnung? Die Antwort steht, wie so oft, im Kleingedruckten der GOÄ. mehr »

Begünstigen Antidiabetika eine Herzinsuffizienz?

Bis zu zwei Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland leiden gleichzeitig an Diabetes und Herzinsuffizienz. Wie beide zusammenhängen, haben mehrere Studien analysiert. mehr »