Ärzte Zeitung, 01.12.2010

Welt-Aids-Tag

"Tina, wat kosten denn die Kondome?"

"Tina, wat kosten denn die Kondome?"

Alles begann mit einer Info-Broschüre, die Ende 1985 in Deutschland verteilt wurde. Es war der Start für Kampagnen zum Thema Aids. Unvergessen ist ein TV-Spot, in dem sich Hella von Sinnen als Supermarkt-Kassiererin lautstark nach dem Preis für Präservative erkundigte.

Von Pete Smith

"Tina, wat kosten denn die Kondome?"

Kampagne 2006: Aufforderung zum Gebrauch von Kondomen.

© BzGA

FRANKFURTMAIN. Ein junger Mann schleicht durch den Supermarkt, greift sich verschämt eine Packung Präservative und legt sie unauffällig aufs Band. Die Kassiererin hält jedoch nichts von Verschwiegenheit, sondern brüllt durch den ganzen Laden: "Tina, wat kosten die Kondome?"

Auch 20 Jahre nach seiner Erstausstrahlung erinnern sich noch viele Bundesbürger an diesen Fernsehspot mit Ingolf Lück und Hella von Sinnen. Heute gilt jener Klassiker als Höhepunkt der Aidsprävention in Deutschland, die dieser Tage 25 Jahre alt wird.

Infomaterial erstmals im November 1985

Im Spätherbst 1985 erschienen die ersten offiziellen Informationsmedien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema Aids. Das Bundesgesundheitsministerium hatte sie in Auftrag gegeben, um auf die Verunsicherung der Bevölkerung in Folge der ersten HIV-Infektionen in Deutschland zu reagieren.

Die bis dahin unbekannte Immunschwäche war 1981 zum ersten Mal beschrieben worden. Glaubte man zunächst, dass daran nur homosexuelle Männer erkranken könnten, so entdeckte man bald, dass auch Hämophile nach Bluttransfusionen und heterosexuelle Drogenabhängige dieselben Symptome jener Krankheit entwickelten, die man ab 1982 Aids nannte und als deren Ursache man 1984 das Human T-cell Lymphotropic Virus-III (HTLV-III) identifizierte, das 1986 in HIV umbenannt wurde.

Auf die zunehmende Verbreitung von HIV und Aids reagierten die Menschen weltweit mit Angst, Panik und Hysterie. Um sachliche Aufklärung bemüht, entwickelte die BZgA das Informationsblatt "Was Sie über Aids wissen sollen", das im November 1985 an alle 27 Millionen Haushalte der damaligen Bundesrepublik verteilt wurde. Im selben Jahr fand in Atlanta, USA, die erste Welt-Aids-Konferenz statt.

"Tina, wat kosten denn die Kondome?"

"mach’s mit" - eine Kampagne, die Aufsehen erregte.

© BZgA

Zu diesem Zeitpunkt war längst klar, dass sich die Krankheit weltweit ausbreitete und auf welche Weise sich die Menschen dagegen schützen können. Folgerichtig stand von Anfang an das Kondom im Mittelpunkt der 1987 erstmals initiierten Kampagne "Gib Aids keine Chance".

Mit knapp 50 Millionen DM (etwa 25 Millionen Euro) ausgestattet, fand die bis heute größte und bekannteste Gesundheitskampagne in Deutschland sowohl im Fernsehen, Kino und Radio als auch in Zeitungen, Zeitschriften sowie auf Plakatwänden ihren Ausdruck.

1993 entwickelte die BZgA eine Kampagne, die großes Aufsehen erregte und manche Gemüter erhitzte. Unter dem Motto "mach's mit" wurden, in Kooperation mit dem Fachverband Außenwerbung, in deutschen Städten riesige Plakate geklebt, die auf witzige Weise zum Gebrauch von Kondomen aufforderten.

"Stop and go" lautete der Slogan 1994, "Passt auf jede Gurke" zwölf Jahre später. Aktuell widmet sich die BZgA-Kampagne den "Liebesorten".

25 Jahre Aidsprävention in Deutschland wertet die Bundeszentrale als eine Erfolgsgeschichte. Die kontinuierliche Aufklärung über Aids und HIV habe wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland heute im westeuropäischen Vergleich mit die niedrigste Zahl an HIV-Neuinfektionen aufweise.

Gaben 1987 noch 54 Prozent der Befragten mit mehreren Sexualpartnern an, sich immer, häufig oder gelegentlich mit Kondomen zu schützen, so waren es im vergangenen Jahr 84 Prozent.

"Positiv zusammen leben - aber sicher"

Zum diesjährigen Welt-Aids-Tag hat die BZgA die Anti-Diskriminierungskampagne "Positiv zusammen leben - aber sicher" gestartet, für die zum ersten Mal in Europa in einer groß angelegten öffentlichen Aktion Menschen mit HIV, ihre Angehörigen, Freunde und Kollegen von ihren Erfahrungen berichten.

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