Ärzte Zeitung online, 06.12.2010

ZDF will Konsequenzen aus Wettunfall ziehen - Verletzter im künstlichen Koma

MAINZ/DÜSSELDORF (dpa). Aus dem schweren Unfall bei "Wetten, dass..?" will das ZDF Konsequenzen ziehen. "Wir müssen und wir werden bei der Auswahl der Wetten die Lehren aus dem Unfall ziehen", sagte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut am Sonntag. Der verletzte Samuel Koch liegt nach einer Op im künstlichen Koma. Er hatte eine "komplexe" Halswirbelsäulen-Verletzung erlitten.

Der 23-jährige Koch war mit Federbeinen über fahrende Autos gesprungen und dabei gestürzt. Bellut kündigte eine genaue Untersuchung des Unfalls durch das ZDF an. Während der Live-Übertragung der ZDF-Show am Samstagabend hatte sich ein Wettkandidat schwer verletzt.

29 Jahre lang habe es bei "Wetten, dass..?" immer wieder sportive Wetten gegeben, so Bellut weiter. "Und es ist nichts Schwerwiegendes passiert." Bei jeder Sendung sei ein Sicherheits-Ingenieur dabei. Auch diesmal habe es in den Proben keine Hinweise gegeben, dass die Wette nicht machbar oder zu gefährlich sei.

ZDF-Verwaltungsratschef Kurt Beck forderte eine Quotendebatte in dem öffentlich-rechtlichen Sender. Das ZDF dürfe gewissen Fragen nicht ausweichen. "Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident der Zeitung "Die Welt".

Kochs Zustand war am Sonntag nach Angaben der Klinik sehr kritisch, aber nicht lebensgefährlich. Er lag im künstlichen Koma. Er hatte laut Klinik eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule erlitten und zeigte Lähmungserscheinungen.

Stuntman: Wette war nicht zu riskant

War die Wette zu riskant, die der Kandidat bei "Wetten, dass..?" gewagt hat? Ein erfahrener Stuntman meint: Nein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erzählt René Lay, Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Stuntleute, auch von seinen eigenen Erfahrungen bei "Wetten, dass..?".

Lay war selbst vor zwei Jahren Kandidat bei "Wetten, das..?". Vor seinem Feuerstunt hätten ihn die Verantwortlichen der Sendung gefragt, ob das Risiko nicht zu hoch sei. "Ich war sehr erstaunt, wie verantwortlich die Kollegen damit umgegangen sind und wie wenig sie auf Sensation aus sind. Im Gegenteil: Es soll die Leute unterhalten, aber es soll auf keinen Fall eine Gefahr für irgendjemanden sein", sagte Lay im Gespräch mit der dpa.

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