Ärzte Zeitung online, 06.12.2010

Narkosegase als Klimakiller?

KOPENHAGEN (dpa). Glaubt man dänischen Forschern, leisten bestimmte inhalative Narkotika einen erheblichen Beitrag zu Klimaerwärmung. Wie die Chemiker jetzt berichteten, heizen Flurane den Klimawandel weltweit so stark an wie eine Million Autos.

Narkosegase als Klimakiller?

Arbeiten am Narkosegerät: Dänische Forscher haben jetzt Flurane als Klimasünder ausgemacht.

© Olaf Döring / imago

Die Forscher um Professor Ole John Nielsen von der Universität Kopenhagen und sein Kollege Dr. Mads Andersen hatten dazu die Treibhauswirkung dreier gängiger Flurane untersucht und die weltweite Wirkung hochgerechnet (Br J Anaesth 2010; 105: 760).

Das Klimapotenzial der getesteten Stoffe unterscheide sich erheblich, schreibt Nielsen. "Solange alle drei denselben therapeutischen Nutzen haben, haben wir jeden Grund, dasjenige mit dem geringsten Erderwärmungspotenzial zu wählen."

Die Chemiker untersuchten Sevofluran, Isofluran und Desfluran. Deren Treibhauswirkung ist demnach 210, 510 und 1620 Mal stärker als diejenige von Kohlendioxid. Zudem seien die Verbindungen chemisch eng verwandt mit dem Kühlmittel HFC-134a, das von Januar an in der EU verboten ist. Es ist ein rund 1300 Mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid.

Nielsen sieht zwar keinen Grund für ein Verbot eines der untersuchten Narkosemittel. Aber: "Die überraschenden Eigenschaften der Narkosegase sind eine wichtige Mahnung an alle, die irgendeine Sorte Gas benutzen. Man sollte dessen Schicksal in der Atmosphäre genau untersuchen, bevor man es in die Natur entlässt."

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