Ärzte Zeitung online, 08.12.2010

Interesse an Sex kennt keine Altersgrenze

SYDNEY (gvg). Männer denken immer nur an das Eine? Natürlich nicht. In jedem Fall aber denken erstaunlich viele Männer im hohen Alter immer noch an das Eine. Zumindest in Australien.

Interesse an Sex kennt keine Altersgrenze

In Australien hat - nach eigenen Angaben - jeder dritte Mann über 75 noch Sex.

© michaeljung / fotolia.com

In einer populationsbasierten Kohortenstudie haben Wissenschaftler um Zoe Hyde vom Western Australia Centre for Health and Ageing im australischen Crawley über 3000 Männer im Alter zwischen 75 und 95 Jahren zu ihrer sexuellen Aktivität und Zufriedenheit befragt (Ann Intern Med 2010, 153:693). Knapp 2800 gaben bereitwillig Auskunft. Die Befragung erfolgte zu mehreren Zeitpunkten, sodass teilweise Daten derselben Personen im Verlauf vorliegen.

Jeder zweite Mann in dieser Altersgruppe gibt demnach an, dass Sex für ihn noch wichtig sei. Und immerhin jeder Dritte hatte zumindest einmal in den vorausgegangenen zwölf Monaten Sex. Vielen reicht das ganz und gar nicht: Von denen, die im Jahr vor der Befragung zumindest einmal sexuell aktiv waren, sagten 43 Prozent, dass sie "es" lieber öfter hätten.

Erwartungsgemäß gab es bei der sexuellen Aktivität und bei der Haltung zum Sex eine gewisse Korrelation mit dem Alter: Knapp 40 Prozent der 75- bis 79-jährigen hatten waren sexuell aktiv. Jenseits der 90 waren es immerhin noch elf Prozent. Jeder Fünfte über 90 Jahren gab an, dass Sex für ihn noch ein wichtiges Thema sei. In der "jungen" Kohorte der Männer in den 70ern waren es fast 60 Prozent.

Die Befragung lässt auch Rückschlüsse darüber zu, was im Alter einem erfüllten Sexualleben im Wege steht. Menschen mit Diabetes, Osteoporose und Prostatakarzinom waren signifikant weniger sexuell aktiv. Seitens der Medikation gab es unter anderem für Betablocker und Antidepressiva eine statistisch signifikante Korrelation mit geringerer sexueller Aktivität. Relativ häufig gaben die älteren Herren auch an, dass ihre Partnerin entweder kein Interesse mehr am Sex habe oder aber körperlich nicht mehr zu sexueller Aktivität in der Lage sei.

Im longitudinalen Teil der Untersuchung wurden bei mehrfach befragten Probanden unter anderem die Testosteronspiegel bestimmt und mit der Haltung zu sexueller Aktivität in Beziehung gesetzt. Es zeigte sich, dass eine höhere endogene Testosteronproduktion mit einer höheren sexuellen Aktivität korrelierte. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass dies nicht den Rückschluss erlaube, dass sich mit einer Testosteronersatztherapie die sexuelle Bereitschaft oder Aktivität im hohen Alter verbessern lasse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »