Ärzte Zeitung online, 21.12.2010

Atom-Tourismus: Ukraine öffnet Tschernobyl für Besucher

KIEW (dpa). Fast 25 Jahre nach der bislang schwersten Atomkatastrophe öffnet die Ukraine das verstrahlte Sperrgebiet rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl in großem Stil für Touristen. "Es gibt zahlreiche Anfragen", sagte Oksana Nor von der Tschernobyl-Informationsstelle am Dienstag. Das berichteten Medien in Kiew. Bislang boten bereits einzelne Fremdenführer Tschernobyl-Besuche für kleine Gruppen an.

Atom-Tourismus: Ukraine öffnet Tschernobyl für Besucher

Der zerstörte Atom-Reaktor in Tschernobyl. Wird er bald zum Touristen-Magnet für Waghalsige?

© ITAR-TASS / imago

Experten warnten vor schweren Gesundheitsschäden. Der Besuch sei unsicher, sagte Pjotr Waljanski vom ukrainischen Zivilschutzministerium. Noch immer leiden Tausende Menschen rund um Tschernobyl an den Folgen der Katastrophe.

Es seien bereits mögliche Touren entwickelt worden, die möglichst weit von den kontaminierten Gebieten entfernt lägen, entgegnete Nor. Touristen besuchten die Gegend auf eigene Gefahr. Erst kürzlich hatte die Ukraine Tschernobyl in das offizielle Tourprogramm der Fußball-Europameisterschaft 2012 aufgenommen. Die Ex-Sowjetrepublik richtet das Turnier gemeinsam mit Polen aus.

Die Nuklearkatastrophe am 26. April 1986 setzte etwa 500 mal mehr Strahlung frei als die US-Atombombe auf das japanische Hiroshima 1945. Bis heute ist die genaue Zahl der Opfer unklar. Atomkraftgegner sprechen von bis zu 100 000 Toten und tausenden verstrahlten Menschen.

Im Dezember 2000 hatte die Ukraine den letzten der vier Blöcke in Tschernobyl abgeschaltet. Der explodierte Reaktor war mit einem Mantel aus Stahl und Blei geschützt worden. Pläne für eine neue Hunderte Millionen Euro teure Schutzhülle kommen äußerst schleppend voran.

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