Ärzte Zeitung online, 27.12.2010

Umweltbundesamt kontert dem ADAC: Umweltzonen waren ein richtiger Schritt

DESSAU-ROßLAU (dpa). Die Kritik an den Umweltzonen in den Städten ist aus Sicht des Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, nicht gerechtfertigt. "Insgesamt war ihre Einführung ein richtiger Schritt", sagte er dpa.

Die ersten Umweltplaketten für Fahrzeuge in deutschen Städten waren vor zwei Jahren ausgegeben worden. Die Einschätzung des ADAC, dieses Mittel habe nicht zur Verbesserung der Luft in den Kommunen geführt, sei unseriös. "Die Wirksamkeit der Umweltzonen lässt sich nicht von einem Jahr auf das andere feststellen", sagte der UBA-Präsident. Messungen in den Ländern hätten eine positive Auswirkung ergeben.

Berlin und Hannover waren Anfang 2008 die Vorreiter in Deutschland gewesen, inzwischen haben mehr als 40 Kommunen eine Umweltzone eingerichtet. Ohne entsprechende Plakette dürfen Fahrzeuge diese Gebiete nur noch in Sonderfällen passieren. In Berlin und Hannover sind inzwischen nur noch Fahrzeuge mit grünen Plaketten in den Umweltzonen erlaubt. Sie erfüllen die schärfsten Abgasregeln. 2011 wollen Leipzig und Markgröningen (Baden-Württemberg) Umweltzonen einführen. Augsburg, Osnabrück, Düsseldorf und Wuppertal wollen die Erlaubnis für rote Plaketten abschaffen. In Bremen gelten bald nur noch die grünen Plaketten.    

Laut ADAC haben Tests keine relevanten Unterschiede zwischen Städten mit und ohne Umweltzone ergeben. In Berlin habe die Luftbelastung an einigen Stellen sogar zugenommen, obwohl nur noch schadstoffarme Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Umweltzone einfahren durften.

Die Aussage des ADAC sei wissenschaftlich nicht belegt, sagte Flasbarth. Bei der Belastung der Luft durch Feinstaub spielten auch Witterungsbedingungen eine große Rolle. "Man muss das über einen längeren Zeitraum und für das gesamte Bundesgebiet betrachten. Und da zeigen Ländermessungen, dass die Feinstaubbelastung zurückgeht."

Die Einrichtung der Umweltzonen habe auch zu einem geänderten Kaufverhalten der Menschen hin zu mehr umweltfreundlichen Autos geführt. "Bei einer Messung in Berlin konnte man zeigen, dass von 2007 bis 2009 der Anteil der Fahrzeuge mit einer roten Plakette oder ohne Plakette von 30 Prozent auf 7 Prozent zurückgegangen ist", sagte Flasbarth. Diese Fahrzeuge dürfen nicht mehr in die Umweltzonen fahren, bei Verstößen drohen empfindliche Bußgelder.

"Die generelle Empfehlung ist, dass die Städte künftig in allen Umweltzonen die grüne Plakette fordern - und damit die Möglichkeiten voll ausschöpfen", sagte Flasbarth. Zusätzlich zum Feinstaub müsse auch die Stickstoffdioxid-Belastung gesenkt werden. "Der Verkehr hat an der innerstädtischen Belastung mit Feinstaub einen Anteil von einem Drittel und bei der Belastung mit Stickstoffdioxid einen Anteil von 50 bis 70 Prozent", so der UBA-Präsident.

Seit dem 1. Januar 2010 gelten für Stickstoffdioxid EU-weit Grenzwerte, die aber vielfältig überschritten werden, sagte er. "Wir haben noch eine Übergangsfrist bis 2014, um da nachbessern zu können." Der entscheidende Beitrag dafür müsse vom Umstieg auf umweltfreundlichere Fahrzeuge kommen, forderte Flasbarth.

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