Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Spezielles Bett vereinfacht Umlagerung Verletzter vom Rücken auf den Bauch

Spezielles Bett vereinfacht Umlagerung Verletzter vom Rücken auf den Bauch

Assistenzarzt Sebastian Berendes (links) und Pfleger Edgar Eisenberg zeigen, wie der Wechsel von der Rücken- in die Bauchlage funktioniert. Der Patient ist - bis auf das Gesicht - völlig abgedeckt und fixiert. Dann ...

© Ole Goertz

BOCHUM (eb). Ärzte und Pfleger des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil haben ein neues, einzigartiges Bauchlagerungsbett entwickelt: Damit können schwerstverletzte Patienten einfach und sicher zwischen Bauch- und Rückenlagerung umgewendet werden.

Eine mechanische Unterstützung erleichtert die Umlagerung für Patient und Personal erheblich. Das mittlerweile zertifizierte und damit für den Betrieb genehmigte Bett werde seit November auf der Intensivstation für Schwerbrandverletzte im Bergmannsheil genutzt, teil das Bergmannsheil mit.

"Unsere Neuentwicklung gewährleistet eine schonende Drehung des Patienten in die komplette Bauchlagerung und erleichtert die leitliniengerechte Lagerungstherapie beatmeter Patienten mit Lungentrauma", wird Dr. Ole Goertz von der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte des Bergmannsheil zitiert. Goertz war federführend an der Entwicklung des neuen Bettes beteiligt.

Spezielles Bett vereinfacht Umlagerung Verletzter vom Rücken auf den Bauch

... wird das Bett per Kurbel gedreht, sodass der Patient auf dem Bauch liegt. Jetzt wird die fixierende Abdeckung abgenommen ...

© Ole Goertz

Das Prinzip: Der Patient liegt zunächst in Rückenlage im Bett. Dann wird er vorsichtig von oben mit einer zweiten gepolsterten Liegefläche auf dem Bett fixiert. Sie verfügt über einen Gesichtsausschnitt, sodass eine sichere, ununterbrochene Atmungsunterstützung gewährleistet ist.

Über eine Handkurbel am Fußende wird das Bett dann um 180 Grad gedreht. Der Patient ruht jetzt bäuchlings auf der Liege mit dem Gesichtsausschnitt. Die andere, obere Liege kann jetzt entfernt und der Patient weiter versorgt werden.

Durch die mechanische Unterstützung sind für das Umlagern von Schwerstverletzten statt fünf nur noch zwei Personen nötig. Zudem werden die Rücken der Helfer weit weniger belastet als bei der manuellen Umlagerung.

Die rein mechanische Drehung des Bettes garantiert zudem hohe Sicherheit und geringe Störanfälligkeit der Konstruktion. Außerdem reduziere sich das Risiko von Druckgeschwüren für die Patienten erheblich, weil die Liege für die Bauchlagerung mit Schaumstoffpolsterung und Gesichtsausschnitt ausgestattet ist, heißt es in der Mitteilung.

Spezielles Bett vereinfacht Umlagerung Verletzter vom Rücken auf den Bauch

... und der Patient kann weiter versorgt werden.

© Ole Goertz

Die Bauchlagerung von Patienten empfiehlt sich vor allem bei Lungenverletzungen: Ursache können mechanische Einwirkungen, Rauchgas-Vergiftungen oder Verbrennungen sein. Aber auch eine künstliche Beatmung, die für den Erkrankten lebensnotwendig ist, kann Lungenschäden hervorrufen.

Wird der Patient auf dem Bauch gelagert, so wird dadurch eine gleichmäßigere Gas- und Blutverteilung mit besserer Atemmechanik unterstützt. Dadurch können mitunter verschlossene Lungenareale wieder eröffnet werden.

[04.01.2011, 10:18:25]
Heiko Blome-Schmidt 
Was ist hier neu?
An einem ähnlichen Drehbett mit gleichem Prinzip haben wir Anfang der 80er Jahre in meine Krankenpflegeausbilung trainiert. Das Rad neu erfunden.... zum Beitrag »
[03.01.2011, 18:40:13]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Eine geniale Idee!
Wenn Technik, Pflege, Medizin, praktisches Denken und auch Empathie mit Sinn für Patienteninteressen zusammentreffen, kommen absolut perfekte Neuerungen heraus.

Ich fürchte nur, das IQWiG wird dabei nicht mitspielen. Es fehlen prospektive, randomisierte, harte Endpunktstudien, die eine Reduktion von Mortalität und Morbidität zweifelsfrei beweisen (so lange geht dieses teure Spezialbett nicht zu Lasten der GKV?).

Willkommen in Absurdistan! zum Beitrag »

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