Ärzte Zeitung online, 04.01.2011

Idiotentest nach Trunkenheitsfahrt: Die Leberwerte alleine zählen nicht

GÖTTINGEN (pid). Normale Leberwerte allein sind kein hinreichendes Indiz dafür, dass sich jemand nicht wieder nach Alkoholgenuss ans Steuer setzt. Wer wegen einer Trunkenheitsfahrt den Führerschein entzogen bekommen hat und ihn wiederbekommen will, muss vielmehr überzeugend darlegen können, dass er seinen Alkoholkonsum unter Kontrolle hat.

Leberwerte sind nicht das einzig Entscheidende bei Suff-Fahrern

Von Autofahrern gefürchtet - die MPU. Leberwerte alleine reichen nicht zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis, vor allem das MPU-Ergebnis zählt.

© imagebroker / imago

Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden. Dort hatte ein Autofahrer, der nach einer Trunkenheitsfahrt seinen Führerschein abgeben musste, vergeblich auf die Wiedererteilung seiner Fahrerlaubnis geklagt.

Der Kläger war wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr, fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit und anschließender Unfallflucht zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Neben der Geldstrafe verhängte das Gericht auch eine elfmonatige Führerscheinsperre. Dreieinhalb Monate später beantragte der Kläger die Wiedererteilung seiner Fahrerlaubnis und unterzog sich einer medizinisch-psychologischen Begutachtung durch den TÜV Nord.

Dabei ergab die psychophysische Überprüfung eine deutlich verlangsamte Reaktionsfähigkeit, die Ergebnisse der Leberfunktion lagen dagegen im Normalbereich. Weiterer Bestandteil der Begutachtung war das verkehrspsychologische Gespräch.

Dort machte er nach Ansicht der Gutachter widersprüchliche Angaben, die weder mit dem Erfahrungswissen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen noch mit der Aktenlage in Einklang zu bringen seien. Es sei daher zu erwarten, dass der Kläger auch in Zukunft Fahrten unter Alkoholeinfluss unternehme.

Der Landkreis Göttingen lehnte es daraufhin ab, ihm wieder eine Fahrerlaubnis zu erteilen. Wenn jemand wie der Kläger eine Blutalkoholkonzentration von 1,71 Promille aufbauen könne, spreche dies für eine starke Alkoholgewöhnung.

Der Autofahrer wollte den ablehnenden Bescheid nicht hinnehmen und zog vor Gericht. Er begründete seine Klage damit, dass etwaige Einschränkungen auch durch den Alterungsprozess zu erklären seien.

Die einzigen aussagekräftigen Werte seien die Leberwerte, und die lägen im Normbereich. Abgesehen von zwei Bier in der Silvesternacht habe er seit dem Vorfall keinen Alkohol mehr konsumiert. Hieraus könne man nicht den Schluss ziehen, dass er alkoholgefährdet sei.

Nach Ansicht des Gerichts ist das Votum der Gutachter jedoch nachvollziehbar und überzeugend. Entscheidend für die negative Bewertung sei das verkehrspsychologische Gespräch gewesen. Der Kläger habe nicht überzeugend darlegen können, dass er sich nicht mehr alkoholisiert ans Steuer setzen werde.

Az.: 1 A 49/10

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