Ärzte Zeitung online, 05.01.2011

Michael Jacksons Arzt: Kaum Erfahrung in erster Hilfe

Für ein Gehalt von angeblich 150.000 Dollar im Monat sollte er sich um die Gesundheit von Michael Jackson kümmern - doch dann starb der berühmte Patient unter seiner Obhut. Nun steht Conrad Murray, der Leibarzt des Popstars, vor dem Kadi. Brisant: Offenbar hatte er nur Grundkenntnisse in der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Michael Jacksons Arzt: Kaum Erfahrung in erster Hilfe

Dr. Conrad Murray: Muss er sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten?

© dpa

LOS ANGELES (dpa). Michael Jacksons hoch bezahlter Leibarzt konnte angeblich keine einfache Herz-Lungen-Massage vornehmen. Als der Popstar vor eineinhalb Jahren ins Koma gefallen war, soll Dr. Conrad Murray, der Kardiologe ist, panisch und hilflos gewesen sein, sagte einer von Jacksons Mitarbeitern laut CNN am Dienstag vor dem Superior Court in Los Angeles.

Die Anhörung vor einem Richter soll zunächst klären, ob dem 57-Jährigen ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung gemacht wird.

Nachdem Jackson bewusstlos gewesen sei, habe der Arzt panisch reagiert und die beiden entsetzten Leibwächter gefragt: "Kann einer CPR?" Die "cardiopulmonary resuscitation", die Herz-Lungen-Reanimation, lernt auch in den USA jeder Fahrschüler.

"Ich habe Alberto angeschaut, weil wir Dr. Murray als Herzspezialisten kannten, und wir waren schockiert", sagte Jacksons Sicherheitschef Faheem Muhammed über sich und Leibwächter Alberto Alvarez.

Als er gefragt wurde, ob Murray vielleicht einfach nur um Hilfe gebeten habe, sagte Muhammed: "So, wie er gefragt hat, wusste er nicht, wie CPR geht." Für ihn sei Jackson zum dem Zeitpunkt auch schon tot gewesen, sagte der Chefleibwächter, weil der 50-Jährige dagelegen habe "mit offenem Mund und offenen Augen".

Zuvor hatte bereits der Staatsanwalt Murray vorgeworfen, die Herz-Lungen-Reanimation völlig falsch gemacht zu haben. Er habe nur eine Hand benutzt und Jackson habe dabei auf einer weichen Matratze gelegen.

Bei der Anhörung wurde auch bekannt, dass Jacksons älteste Kinder Prince und Paris, damals zwölf und elf, während des Dramas in der Tür des Schlafzimmers standen.

Über die Tochter sagte Muhammed: "Paris war auf dem Flur auf Händen und Knien und sie weinte einfach." Den Kindern sei zwei Stunden später im Krankenhaus gesagt worden, dass ihr Vater gestorben sei.

Der erste Tag vor dem Superior Court in Los Angeles war der Auftakt einer Anhörung, die sich zwei Wochen hinziehen könnte. Erst danach entscheidet das Gericht, ob dem Arzt der Prozess gemacht wird. Bis dahin sollen 20 bis 30 Zeugen aussagen.

Die Anklage wirft Murray vor, Jackson das Narkotikum Propofol in Verbindung mit Benzodiazepinen verabreicht zuhaben. Laut Gerichtsmedizin starb der Popstar an einer akuten Propofol-Intoxikation. Jackson litt offenbar an Schlaflosigkeit.

Zudem soll der Arzt viel zu lange gewartet haben, bevor er den Notarzt rief. Erst 21 Minuten, nachdem er Jackson gefunden habe, habe Murray den Notruf gewählt. "Wir müssen den Schluss ziehen, dass Michael Jackson schon tot war, als die Rettungshelfer eintrafen", sagte Staatsanwalt David Walgren.

Jackson starb am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren an Herzversagen. Murray erklärte, er sei "nicht schuldig" an Jacksons Tod. Der Arzt war im Februar 2010 wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden, er ist gegen eine Kaution von 75.000 Dollar auf freiem Fuß. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm vier Jahre Haft.

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