Ärzte Zeitung online, 12.01.2011

Korruption mit Schuld an vielen Erdbeben-Opfern

LONDON (dpa). Länder mit einem hohen Maß an Korruption haben bei Erdbeben in den vergangenen 30 Jahren die meisten Toten zu beklagen. In den ärmsten Ländern seien die meisten Bestechungsfälle in der Baubranche anzutreffen, schreiben britische Wissenschaftler.

Etwa 83 Prozent aller Todesfälle durch einstürzende Gebäude bei Erdbeben zählten die Autoren in Ländern, die noch korrupter waren, als man nach ihrem Pro-Kopf-Einkommen hätte erwarten können.

Die Wissenschaftler Roger Bilham von der US-Universität in Boulder im US-Staat Colorado und Nicholas Ambraseys vom Imperial College in London verwendeten für ihre Erhebung Daten der Antikorruptions-Organisation Transparency International und Zahlen der Weltbank (Nature 469, 2010, 153).

Anlass für die Auswertung waren die extrem unterschiedlichen Folgen der Erdbeben in Haiti und Neuseeland im Jahr 2010, obwohl die Erschütterungen in etwa die gleiche Stärke hatten. In Neuseeland kam niemand ums Leben, in Haiti vor einem Jahr etwa 220 000 Menschen.

Zwar könne nicht exakt auseinandergehalten werden, welchen Anteil jeweils die Armut eines Landes und das Ausmaß der Korruption an den Todesfällen durch einstürzende Gebäude hätten. Doch wo die Korruption extrem sei, würden schlechtere Materialien und Baumethoden angewandt.

Die wohlhabenderen Nationen könnten es sich eigentlich leisten, ihre Bevölkerung gut auszubilden und gute Baumaterialien zur Verfügung zu stellen. Somit gingen Todesfälle bei Erdbeben in Ländern wie Italien, Griechenland und Russland in der Regel auf das Konto von Korruption zurück, argumentieren Ambraseys und Bilham.

Im Gegenzug seien Länder wie Chile und Neuseeland weniger korrupt, als man nach ihrem Pro-Kopf-Einkommen vermuten würde und hätten weniger Erdbeben-Tote zu beklagen. Haiti und Iran seien extreme Beispiele - mit überdurchschnittlich vielen Erdbebenopfern und Korruptionsfällen.

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