Ärzte Zeitung online, 21.01.2011

Dioxin-Herkunft im Tierfutter offenbar aufgeklärt

Chemiker in Nordrhein-Westfalen sind der Herkunft des Dioxins im Tierfutter offenbar auf die Spur gekommen: Frittenfett soll dabei eine Rolle spielen. Die Futterbranche sagte unterdessen mehr Kontrollen zu. Agrarministerin Aigner betonte, der Dioxin-Aktionsplan sei in Arbeit.

Dioxin-Herkunft im Tierfutter offenbar aufgeklärt

Dioxin-Analyse im Labor: Chemiker in NRW haben offenbar die Quelle für die Verunreinigungen ermittelt.

© dpa

BERLIN (dpa). Die Quelle für das Dioxin im Tierfutter scheint drei Wochen nach dem Bekanntwerden des Skandals gefunden. "Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit stammt das Dioxin aus Vorstoffen, die zur Biodieselproduktion dienen", sagte Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin.

Dabei würden Altfette wie Frittierfett gereinigt und destilliert. Remmel bezog sich auf neue Ergebnisse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Münster.

Die Futtermittelhersteller wollen ihr Kontrollsystem verbessern. "Ein Entwurf ist in Arbeit für einen erweiterten Prüfplan für Futterfette", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung, Bernhard Krüsken.

Die Mindesthäufigkeit der Kontrollen sei offensichtlich nicht hoch genug. Der Verband distanzierte sich vom Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein, der wegen der Vermischung von Futter- und Industriefett als Auslöser des Skandals gilt.

Die Branche zeigte sich offen für eine erweiterte Zulassungspflicht, aber skeptisch gegenüber einer Meldepflicht von Testergebnissen und der Veröffentlichung überhöhter Grenzwerte im Internet. Dies sind Forderungen aus dem 14-Punkte-Plan von Bund und Ländern.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Aktionsplan möglichst schnell in die Tat umsetzen. "Ich habe schon den ersten Teil in die Ressortabstimmung gegeben. Wir werden das Schritt für Schritt zügig umsetzen", sagte Aigner bei ihrem traditionellen Rundgang auf der Grünen Woche.

Die Messe öffnete am Freitag für Besucher. Die Veranstalter erwarten bis 30. Januar rund 400.000 Besucher. Mehr als 1600 Aussteller aus 57 Ländern präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen.

Das Bundesagrarministerium und das niedersächsische Ressort haben indes bislang keine Erkenntnisse über eine Ausweitung des Skandals.

Die "Berliner Zeitung" berichtete unter Berufung auf Messergebnisse des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), dass Harles & Jentzsch in viel größerem Ausmaß als bislang bekannt dioxinbelastete Fettsäuren ausgeliefert haben soll.

Das niedersächsische Agrarministerium erklärte, die Behörde habe alle Untersuchungsergebnisse zu Fettlieferungen veröffentlicht. An der bisher festgestellten Menge an verseuchtem Futterfett (2400 Tonnen) und dem Zeitraum, in dem die Lieferungen stattfanden, habe sich nichts geändert.

Nordrhein-Westfalen gab am Freitag die letzten gut 40 gesperrten Bauernhöfe wieder frei. "Wir haben keine Erkenntnisse über Produkte, die belastet in den Handel gegangen sind", sagte Remmel.

Nach Angaben des Abteilungsleiters im NRW-Agrarministerium, Peter Knitsch, wurden in dem Bundesland bei Eiern drei dioxinbelastete Proben entdeckt sowie eine bei Legehennenfleisch.

Trotz des Dioxin-Skandals wollen die meisten Bundesbürger keine Konzentration auf die Bio-Landwirtschaft. In einer Emnid-Umfrage für den Nachrichtensender N24 forderten nur 21 Prozent der rund 1000 Befragten eine möglichst weitreichende Umstellung auf Öko-Landwirtschaft.

76 Prozent wollen mehr Förderung der konventionellen Landwirtschaft, um möglichst günstige Lebensmittelpreise zu haben.

Die Kleinbauern in Ostdeutschland fordern ein Ende der "agroindustriellen Tierhaltung" im Osten. Der Dioxinskandal und ein Fall von Antibiotika in Tierfutter in Sachsen-Anhalt zeigten, dass die arbeitsteilige Produktion ein Irrweg sei, sagte der Präsident des Deutschen Bauernbundes, Kurt-Henning Klamroth.

An diesem Samstag wollen mehr als 120 Organisationen aus ganz Deutschland in Berlin eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft fordern. Unter dem Motto "Wir haben es satt! Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten" hat das Bündnis aus Bauern, Tierschützern und Lebensmittelunternehmen zur Demonstration aufgerufen. Die Veranstalter erwarten rund 5000 Teilnehmer.

[26.01.2011, 14:08:45]
Dr. Joachim Malinowski 
Dioxine und andere Gifte in Lebensmitteln
Ich bin verwundert darüber, wie wenig Wellen der Dioxinfund in Lebensmitteln bei den Medizinern schlägt. Fast erscheint es so, als ob man vieles an Giften schon resigniert in Kauf nimmt, da man als Verbraucher bei Bekanntwerden sowieso nichts mehr tun kann. Wie bei der Börse und den Aktionkursen scheint das Gift in Lebensmitteln schon "eingepreist" zu sein.

Und darüber hinaus verstehe ich die o.g. Emnid-Umfrage des Nachrichten-senders N24, wonach nur 21 Prozent der rund 1000 Befragten eine möglichst weitreichende Umstellung auf Öko-Landwirt-schaft forderten, 76 Prozent hingegen nicht als groben Manipulationsversuch in Richtung Fortsetzung der industriellen Landwirtschaft. Obendrein sind 1000 Befragte ein Witz!

Wann endlich begreifen wir alle (Hersteller und Verbraucher), dass Gifte (ob versehentlich oder vorsätzlich oder billigend in Kauf genommen) bei der Herstellung von Lebensmitteln weder in der industriellen noch in der ökologischen Landwirtschaft etwas zu suchen haben?! Es gibt schon ohne das alles genügend Ursachen, die unserem Leben ein vorzeitiges Ende bereiten.

Ich wünsche mir grundsätzlich eine Abkehr von der aktuell betriebenen industriellen Landwirtschaft, die ohne Frage in jeder Hinsicht pervers ist (Bsp. Geflügel- und Schweine-"Herstellung") und nur unsere kranke Profitgier widerspiegelt. Das kann nicht gut enden....

Dr. med. J. Malinowski zum Beitrag »
[26.01.2011, 10:44:45]
Dr. Horst Grünwoldt 
Frittier-Futter-Fette
Die Aufgabe der amtlichen Lebensmittelüberwachung muß also kurzfristig auch darin bestehen, vestärkt den regelmäßigen Austausch der Frittierfette und den weiteren Entsorgungweg dieser pflanzlichen Altöle zu kontrollieren. Diese müssen demgemäß bei hohen Temperaturen (größer 600 grad C) verbrannt werden, damit sie nicht wieder dem Viehfutter beigemischt und somit in die Lebensmittelkette dioxinbelastet gelangen können. Im übrigen kann der bewußte Verbraucher vor dem Verzehr seiner Pommes schon an der Frittenbude riechen, ob hier Altöl immer noch im Gebrauch ist. Die Gefahr bei den großen Betrieben wie Mac Don u.a. ist dabei wegen des Umsatzes noch am geringsten, dagegen auf dem Weihnachtsmarkt oder der Kirmes eher größer.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, VOR a.D. aus Rostock zum Beitrag »

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