Ärzte Zeitung online, 24.01.2011

Internistin Mechthild Bach ist tot - Suizid

Es war einer der größten Medizin-Prozesse in der Republik: Die Internistin Dr. Mechthild Bach aus Hannover soll mehrere Patienten mit hohen Schmerzmittel-Dosen umgebracht haben. Seit 2009 stand sie deswegen vor Gericht, jüngst kam der Vorwurf des Mordes auf. Nun hat sie sich das Leben genommen.

Palliativärztin Mechthild Bach ist tot - Suizid

Internistin und Angeklagte: Dr. Mechthild Bach ist tot.

© dpa

HILDESHEIM (eb). Die wegen Totschlags angeklagte Internistin Dr. Mechthild Bach ist tot. Die 61-Jährige wurde am Montagnachmittag gegen 15 Uhr tot in ihrer Wohnung im niedersächsischen Bad Salzdetfurth gefunden, teilte die Polizei am Montagabend in Hildesheim mit.

Ersten Ergebnissen zufolge deute alles auf einen Suizid hin, heißt es in der Mitteilung. Die Ermittlungen seien aufgenommen. Am Dienstagvormittag will die Staatsanwaltschaft Hildesheim weitere Details bekanntgeben.

Die Internistin Bach musste sich seit Oktober 2009 vor dem Schwurgericht Hannover verantworten. Ihr wurde Totschlag in mehreren Fällen vorgeworfen.

In den Jahren 2001 bis 2003 soll sie als Belegärztin in einer Paracelsus-Klinik Hannover-Langenhagen insgesamt 13 ihrer Patienten getötet haben. Dafür soll sie überhöhte Dosen Morphin und Diazepam verwendet haben.

Erst in der vergangenen Woche kam das Gericht zu der Einschätzung, dass in zwei der verhandelten Todesfälle auch das Mordmerkmal der Heimtücke geprüft werden müsse. Im Falle einer Verurteilung hätte dafür eine lebenslange Haft gedroht.

Bach und ihr Anwalt hatten stets betont, dass die Internistin ihre Patienten lediglich schmerzlindernd beim Sterben begleitet habe, keineswegs aber den Tod ihrer Patienten gewollt oder herbeigeführt habe.

Bachs Anwalt Matthias Waldraff sieht den Prozessverlauf mit als Auslöser für ihren Suizid. Sie habe keine Perspektive mehr für sich gesehen, erklärte er am Montagabend.

"Sie hat Suizid begangen und ist von einem Freund gefunden worden." Die Frau habe ihrem Leben mit Medikamenten ein Ende gesetzt. "Ihr Gehen ist kein Schuldeingeständnis", sagte Waldraff.

Auch beim Landgericht zeigte man sich bestürzt über den Tod von Mechthild Bach. "Es ist tragisch, dass sich Frau Bach in so einer aussichtslosen Situation gesehen hat", sagte der Präsident des Landgerichts Hannover, Dieter Schneidewind, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

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[27.12.2011, 11:32:20]
Daniel KUPPER 
Pro und Kontra
13 Sterbefälle - das geht an die Schmerzgrenze einer öffentlichen Demonstration für die Euthanasie. zum Beitrag »
[25.01.2011, 13:01:31]
P.-A. Oster 
Es bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft jetzt mit sich selbst ins Gericht geht.....
Schon die oben hervorragend formulierten und zutreffenden Kommentare sollten einem ethisch denkenden Menschen (nicht nur uns Medizinern)bestätigen, dass die Justiz weit davon entfernt ist, sich in das hippokratische Gedankengut eines Arztes hinein zu denken.
Der/die Staatsanwalt(in) sollte sich im stillen Kämmerlein zu Bewußtsein führen, ob die eigene Karriereleiter wichtiger ist als das Leben eines Arztes, in diesem Fall einer Internistin, die sich in sehr empathischer Art und Weise um ihre Patienten gekümmert hat (sic).
Wie verzweifelt musste Frau Dr. Bach sein, dass sie von der profilneurotischen Staatsanwaltschaft zum Suizid getrieben wurde??
(Siehe auch die Überschrift von Ulrich Kabis !!)

Mein Beileid gilt nicht nur den Angehörigen von Frau Dr. Bach, sondern auch den Angehörigen der schmerzfrei verstorbenen Patienten.

Requiescant in pace, P.-A. Oster
 zum Beitrag »
[25.01.2011, 11:16:17]
Dipl.-Ing.(FH) Ulrich Kabis 
Bleibt die Frage, wer hat jetzt Ruhe - Frau Dr. Bach oder die Staatsanwaltschaft?
Als chronischer Schmerzpatient und Leiter einer Selbsthilfegruppe weiss
ich wie hoch die Hürden des Gesetzes liegen. Welche Probleme gute
Mediziner und Schmerztherapeuten haben, ihren Patienten wirklich zu helfen.

Es ist ein jahrelanger Kampf die richtige Behandlung als chronischer
Schmerzpatient zu erhalten, aber noch viel schlimmer, evtl. alle
tatsächlich zur Verfügung stehenden Medikamente nutzen zu "dürfen"!

Betrachte man bloß einmal das Thema Cannabis als Schmerzmedikament! Es
ist ein Hohn an den Menschen, denen man damit helfen könnte. Aber unsere
Politik hat wichtigere Probleme zu entscheiden, als schwerkranken
Menschen wirklich zu helfen.

Ernst genommen werden die wenigsten Schmerzpatienten, weil
Schmerzpatienten in der Regel schwierig sind! Doch wenn ein Arzt
wirklich mal Mut beweist, dann schiebt die Krankenkasse den Riegel vor,
beispielsweise bei einem Alternativmedikament oder einer solchen
Behandlung. Selbst kostengünstigere Lösungen werden abgeschmettert, nur
weil sie angeblich nicht verordnungsfähig sind.

Die Gerichtsbarkeit sieht hilflos zu, ist auf meist "widersprüchliche"
Gutachten angewiesen und wird sich kaum aus dem "Fenster lehnen" um nach
einem jahrelangen Verfahrensweg, dann doch mal eine Entscheidung zu
treffen, die menschlicher wäre, nur weil dazu ein Vergleichsfall oder
Gesetzestext fehlt.

Ich könnte hier ein Buch an erlebten Beispielen niederschreiben, doch
ich lade all die Skeptiker an meinen Schilderungen ein - rufen Sie doch
mal an einem Wochenende einen Notdienst wegen akuten oder chronischer
Schmerzen. Viele diensthabende Ärzte haben das Thema Schmerz nie richtig
gelernt, können damit kaum umgehen und wenn Sie dann noch Pech haben,
einen Mediziner aus relativ "schmerzfremden" Fachgebieten zu haben?? Er
hat mehr Angst vor den Medikamenten die der hilferufende Patient auf dem
Nachttisch liegen hat!

Ich kenne die Worte, die mir mal ein Arzt gesagt hat (PS: es war ein
Augenarzt), ich rufe Ihnen einen Krankenwagen und wir bringen Sie erst
einmal in die Psychiatrie - dort hilft man Ihnen!

ABER NEIN - wer jetzt beim Thema Augenarzt an unseren
Gesundheitsminister denkt, mit Nichten - oder doch? Na zu mindestens
glaube ich, dass Herr Dr. Rösler bei seinen Aufgaben mehr in Richtung
Patient schauen sollte.
 zum Beitrag »
[25.01.2011, 07:15:50]
Dr. Mustafa Ayhan 
Die Flucht einer guten Aerztin aus den Faengen der Bürokratie und Scheinjustiz!
Als Palliativmediziner ist man jeden Tag mit dem Risiko konfrontiert dass man beim Versuch die Leiden der Patienten zu minimieren an sehr hohe Dosen Opioid-Analgetika greifen muss und diese bei den sowieso sehr geschwaechten Patienten eine Atemdepression mit Todesfolge auslösen können. Meiner Meinung nach trifft die verstorbene Aerztin keinerlei Schuld, und die Justiz, sowie die Anklaeger, welche bestimmt die nahen Verwandten der verstorbenen Patienten waren, sollten froh sein das ihre Liebsten friedlich in den Tod eingeschlummert sind und nicht um dem Willen der Nahestehenden wegen noch einige weitere angeblich lebenswerte Wochen unter staerksten Schmerzen leiden mussten. Man haette Frau Dr. Bach danken sollen, statt sie im Paragraphendschungel in den Tod zu treiben. Ein grosser Verlust für uns Aerzte.
Und wozu führt nun das ganze? Ich kann es schon voraussehen. Aus lauter Angst mit einer solchen Anklage konfrontiert zu werden, wird es den meisten Aerzten nun leichter fallen die Patienten zu niedrig zu dosieren. Wen kümmerts denn ob diese Todkranken Menschen etwas mehr leiden müssen, dafür ist die Aerzteschaft vor den Pranken der Justiz und den angeblich ihre Kranken sehr liebenden Anklaeger geschützt.
Wer kriegt denn schon mit ob ein Todkranker, der sich kaum noch ausdrücken kann etwas mehr leiden muss, dafür aber ein paar Tage spaeter in den Tod geht.
Für mich war Dr. Bach eine Heldin, und ich hoffe das ihr Tod ein Umdenken bewirkt. Es waere schade wenn sie umsonst gestorben waere.
Und nur so als Erinnerung, eines Tages sind wir alle drann, und dann waeren wir froh mit sowenig Leid wie möglich von dieser Welt gehen zu dürfen.

Mein aufrichtiges Beileid an die Famillie und Ihre Freunde.

Ruhe in Frieden Dr. Mechthild Bach

Dr.med.Mustafa Ayhan zum Beitrag »
[24.01.2011, 21:51:07]
Dipl.-Med Roland Fuchs 
Suizid M. Bach
Die Heuchelei des Landesgerichtspräsidenten spricht Bände... Ärzte sind seit Jahren Spielball und Freiwild der Nation! Die traurige Reaktion der ehem. Kollegin ist eigentlich ein Fingerzeig auf Staat, Justiz und Gesellschaft. zum Beitrag »

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