Ärzte Zeitung online, 25.01.2011

Anschlag in Moskau: Ein Deutscher unter den Toten

Nach dem Terroranschlag am Montagnachmittag herrscht in Moskau wieder weitgehend Normalität. In der Stadt gab es keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, lediglich für den Flughafen Domodedowo gilt noch eine höhere Sicherheitsstufe. Unter den 35 Todesopfern des Bombenanschlags ist auch ein Deutscher.

Anschlag in Moskau: Ein Deutscher unter den Toten

Die Ankunftshalle am Moskauer Flughafen Domodedowo nach dem Anschlag: Menschen liegen am Boden, andere suchen den Notausgang.

© dpa

MOSKAU (dpa). Bei dem verheerenden Terroranschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo mit 35 Toten ist auch ein Deutscher ums Leben gekommen. Der 1976 geborene Mann befand sich unter den ersten identifizierten Leichen, erfuhrt die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Nach inoffiziellen Angaben war er in Moskau bei einer deutschen Firma angestellt. Ein Chauffeur habe den Mann am Montag nach dem Anschlag leblos in der Ankunftshalle gesehen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, es verdichteten sich Hinweise, wonach ein deutscher Staatsangehöriger getötet und eine weitere Deutsche verletzt worden sei.

Die deutsche Botschaft in Moskau prüfe die jüngsten Meldungen mit Hochdruck. Nach russischen Medienberichten ist unter den rund 180 Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird.

Auch ein Österreicher zählt vermutlich zu den Todesopfern. "Es gibt konkrete Hinweise, dass sich ein Österreicher unter den Todesopfern befindet", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Harald Stranzl, der Nachrichtenagentur APA am Dienstag in Wien.

Die Identifizierung sei aber noch nicht abgeschlossen. Eine weitere Österreicherin, die sich nach Angaben eines Arbeitskollegen am Flughafen aufgehalten haben könnte, sei bislang nicht erreichbar.

Die Identifizierung der Getöteten ging am Dienstag weiter. Dies sei schwierig, weil viele Menschen von der Druckwelle der Bombe und durch umherfliegende Metallteile des Sprengsatzes zerrissen worden seien, sagten Ärzte. Zahlreiche Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr.

Das russische Zivilschutzministerium veröffentlichte die ersten Namen der Todesopfer auf seiner Internetseite. Demnach starben acht Ausländer, darunter zwei Briten und ein Bulgare.

Die Moskauer Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" veröffentlichte eine Namensliste mit Geburtsjahr und Staatsangehörigkeit unter Berufung auf Ermittlerkreise.

In Domodedowo, wo der Flugbetrieb wieder weitgehend normal läuft, legten Passanten Nelken nieder, der Anschlagsort selbst ist mit Sperrbändern abgeriegelt.

Einheiten der Sonderpolizei OMON liefen verstärkt Streife. Strenger als sonst mussten die ankommende Reisenden schon beim Betreten des Flughafengebäudes ihre Taschen zur Kontrolle auf Laufbänder legen und durchleuchten lassen.

Die Stimmung in der russischen Zehn-Millionen-Stadt ist aber insgesamt ruhig - eigentlich wie an jedem anderen Tag. Größere Kontrollen oder auffällige Einschränkungen waren nicht zu beobachten.

Auch in der Metro, die im vergangenen Frühjahr Ziel eines schweren Anschlags war, gab es keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen als an anderen Tagen.

Kremlchef Dmitri Medwedew forderte in einem Zeitungsinterview die Bestrafung der Verantwortlichen für die Sicherheit auf dem Moskauer Flughafen.

Es habe eklatante Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften gegeben, sagte er der Zeitung "Wedomosti". Auch das Nationale Anti-Terror-Komitee hatte die Flughafenleitung kritisiert.

Präsident Medwedew wollte am Dienstag mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB die Gefahrenlage im Land ausloten. Zuvor hatte er auf Bahnhöfen und Flughäfen sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet.

Die Behörden vermuten nach eigenen Angaben, dass Terroristen aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken. Medienberichten zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau.

In der Krisenregion, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, kämpfen Islamisten um die Unabhängigkeit von Moskau.

Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Moskauer Metro Ende März vorigen Jahres 40 Menschen ums Leben.

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