Ärzte Zeitung online, 24.02.2011

In Gorleben werden weniger Mädchen geboren

GORLEBEN (dpa). Im Umfeld des Atomzwischenlagers in Gorleben werden deutlich weniger Mädchen geboren als im Bundesdurchschnitt.

Seit Inbetriebnahme des Lagers 1996 wurden nach einer der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Untersuchung von Wissenschaftlern des Helmhotz-Zentrums München "signifikant" weniger Mädchen geboren.

Und zwar umso weniger, je näher sich die Wohnung der Mutter am Lagerbehälterhaus befinde. "Ich halte dies nicht für einen Zufall", sagte Ralf Kusmierz, einer der Autoren der Studie, der dpa.

Seit Beginn der Einlagerung hätten in den an das Zwischenlager grenzenden Gemeinden Gorleben, Höhbeck und Trebel 120 Jungen und 111 Mädchen das Licht der Welt erblickt.

Kusmierz geht davon aus, "dass sich fruchtschädigende Einflüsse in der frühen Schwangerschaft geschlechtsspezifisch auswirken und insbesondere weibliche Embryos absterben lassen, wodurch bei den Lebendgeborenen der Jungenanteil steigt".

Er verwies darauf, dass zwischen 1971 und 1995 in den drei Gemeinden sogar mehr Mädchen als Jungen geboren wurden.

Während derzeit im Bundesdurchschnitt 1055 Geburten von Jungen auf 1000 Mädchen-Geburten kämen (Faktor 1,055), belaufe sich der Faktor rund um Gorleben auf 1,081.

Kusmierz hatte im vergangenen Jahr bereits festgestellt, dass in der Gemeinde Remlingen rund um das marode Atommülllager Asse der Jungenanteil unter den Geborenen ebenfalls extrem überhöht sei.

Da in der Asse radioaktive Emissionen wie Gase bekannt seien, sei hier die Ursache erkennbar, sagte Kusmierz. "In Gorleben sind mir die Ursachen jedoch nicht klar."

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