Ärzte Zeitung online, 24.02.2011

Drogenproblem: Häftlinge schnupfen Weichspüler

Ein neues Drogenproblem breitet sich in Gefängnissen aus. Häftlinge schnupfen eine milchige Flüssigkeit aus Nasensprayflaschen. Eine Analyse ergab: Das Zeug ist handelsüblicher Weichspüler.

Von Frank Christiansen

Drogenproblem: Häftlinge schnupfen Weichspüler

Weichspüler im Nasenspray: Neue Modedroge in Deutschlands Knästen?

© dpa

DÜSSELDORF/REMSCHEID. Die Indizien im Gefängnis von Remscheid häuften sich: Zunächst schnellte der Bedarf an Nasenspray in die Höhe, dann interessierte sich ein Rauschgift-Spürhund bei einer Kontrolle auffällig für eines der Sprayfläschchen und schlug Alarm.

Der Inhalt war merkwürdig milchig statt klar und kam ins Labor. Dort war nach der Analyse dessen, was sich die Häftlinge da in die Nase zogen, die Überraschung groß.

Nicht mit Kokain oder Speed, sondern mit handelsüblichem Weichspüler traktieren die Gefangenen neuerdings ihre Nasenschleimhäute.

Den Weichspüler konnte die Gefangenen im Gefängnis legal erwerben, um damit in den Zellen ihre Sportsachen von Hand zu waschen.

"Jetzt gibt es hier keinen Weichspüler mehr. Unser Wasser ist ohnehin sehr weich", sagt Anstalts-Chefin Katja Grafweg. "Wir mussten darauf reagieren." Sie warnt: "Der Konsum ist nicht ungefährlich und kann im Extremfall bis zum Tode führen."

Inzwischen ist klar: Auch in anderen Gefängnissen wird Weichspüler als Droge für einen schnellen Rausch missbraucht.

Das nordrhein-westfälische Justizministerium hat jetzt alle Gefängnisse des Landes aufgefordert zu prüfen, ob die Weichspüler aus den Anstalten zu verbannen sind. Das bestätigte Justizsprecher Johannes Mocken.

GBL heißt das neue Problem in den Gefängnissen - Gamma-Butyrolacton. Er ist verwandt mit Gamma-Hydroxy-Buttersäure, kurz GHB.

Dieser Stoff ist auch als "Liquid Ecstacy", KO-Tropfen oder Vergewaltigungsdroge bekannt. Während GHB dem Betäubungsmittelrecht unterliegt, ist GBL weitgehend frei handelbar.

Die Substanz ist in einigen Weichspülern enthalten. Das muss aber offenbar nicht sein: Beim Marktführer, dem Düsseldorfer Waschmittel-Hersteller Henkel, betont eine Sprecherin, dass im hauseigenen Weichspüler kein GBL enthalten sind.

Beim Industrieverband für Waschmittel in Frankfurt hört man zum ersten Mal vom Missbrauch der Produkte, deutet aber an, dass der Stoff wohl notfalls verzichtbar wäre.

Der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm (DHS) ist der Weichspüler-Missbrauch erst seit wenigen Tagen bekannt. Zu den Langzeitfolgen des Konsums könne man daher noch nichts sagen.

Beim TÜV will man nun prüfen, welche Funktion die GBL im Weichspüler haben. "Bekannt war das Problem bislang nicht." Je nach Ergebnis werde man die Hersteller aber auffordern, den Stoff nicht mehr einzusetzen. (dpa)

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