Ärzte Zeitung online, 25.02.2011

Verflechtung zwischen zu Guttenberg und Uni Bayreuth?

BERLIN (dpa). Die Opposition fordert von der Kanzlerin weiter die Entlassung von Verteidigungsminister zu Guttenberg. Außerdem wird Klarheit über mögliche wirtschaftliche Verbindungen zu Guttenbergs zur Uni Bayreuth während seiner Zeit im Aufsichtsrat des Rhön-Klinikums verlangt.

Wirtschaftliche Verflechtung zwischen zu Guttenberg und Universität Bayreuth?

Minister im Kreuzfreuer: Nun rückt auch die Tätigkeit von Karl-Theodor zu Guttenberg während seiner Zeit im Aufsichtsrat der Rhön Kliniken in den Fokus.

© dpa

Der Berliner "Tagesspiegel" hatte zuvor berichtet, dass die Rhön-Klinikum AG zwischen 1999 und 2006 für einen neuen Lehrstuhl an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 747.764,36 Euro überwiesen habe.

Guttenberg habe von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der AG gesessen, seine Familie dort ein Aktienpaket gehalten. Der CSU-Politiker studierte von 1992 bis 1999 in Bayreuth Rechtswissenschaften und wurde dort im Jahr 2007 mit der Bestnote summa cum laude promoviert.

Man habe an der Einrichtung des Studienganges Diplom-Gesundheitsökonomie Interesse gehabt, "weil der Arbeitsmarkt zu wenig qualifizierte Nachwuchskräfte für eine Aufgabe im Krankenhausmanagement anbot", sagte ein Sprecher der Rhön Klinikum AG dem "Tagesspiegel".

Mit den für Guttenberg zuständigen Fakultätsprofessoren habe man nichts zu tun gehabt. Ein Sprecher des Klinikbetreibers stellte am Freitag außerdem klar, dass Guttenberg sich als früheres Aufsichtsratsmitglied nicht als Sponsor betätigt hat.

Vielmehr habe der Vorstand der Rhön-Klinikum AG mit dem Freistaat Bayern, dem Träger der Uni, 1998 einen Kooperationsvertrag geschlossen. Darin sei eine finanzielle Unterstützung beim Aufbau des neuen Studienganges "Gesundheitsökonomie" in Bayreuth vereinbart worden, sagte der Sprecher.

"Der Vertrag beinhaltet, dass der Freistaat das Geld für die Finanzierung des neu zu schaffenden Lehrstuhles Medizinmanagement verwendet." Ziel des Unternehmens sei es gewesen, Nachwuchskräfte für eine Aufgabe im Krankenhausmanagement aufzubauen. Kooperationen dieser Art seien bundesweit üblich.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte dennoch Aufklärung über wirtschaftliche Verflechtungen zwischen der Familie Guttenberg und der Universität Bayreuth.

"Das wird das Parlament sehr intensiv interessieren", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Wiefelspütz schloss auch die Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht aus. "Da muss Klarheit her."

Nach Ansicht des Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen, Volker Beck, könnten finanzielle Verflechtungen "eine Erklärung dafür sein, warum die Universität Bayreuth so schnell und ohne Prüfung einer vorsätzlichen Täuschung über die Aberkennung des Doktortitels entschieden hat". Dies sei in Guttenbergs Interesse, sagte Beck der "Mitteldeutschen Zeitung".

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Doktortitel-Äffäre scharf angegriffen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in einer Situation, in der die Bundeswehr komplett umgebaut werden muss, im Amt zu lassen, "ist die blanke Verantwortungslosigkeit der Kanzlerin", sagte Trittin der "Passauer Neuen Presse".

"Ein erfolgreicher Hochstapler hat keine Nachsicht verdient." Der Fall zu Guttenberg sei jetzt "eine Causa Merkel". Es müsse immer noch geklärt werden, ob der CSU-Politiker "sich nicht strafbar gemacht hat. In vergleichbaren Fällen hat es Anklagen und Verurteilungen gegeben".  

Ähnlich äußerte sicht der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Pronold. "Vielleicht hat deswegen auch die Universität vermieden, sich überhaupt zum Täuschungsvorwurf durch Herrn Guttenberg zu äußern", sagte er dem "Handelsblatt".

Der Bayreuther Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann sagte der "Berliner Zeitung", die Universität habe die Frage, ob Guttenberg mit seiner Dissertation bewusst getäuscht habe, auf die Schnelle nicht klären können.

Dies sei auch eher eine Frage für die Staatsanwaltschaft. Die Universität wolle "gleichwohl weiterhin der Frage nachgehen, ob hier eine bewusste Täuschung vorliegt". Dies sei jedoch ein komplexer Prozess, der noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Guttenbergs Doktortitel war am Mittwoch aberkannt worden, weil er "gegen wissenschaftliche Pflichten" verstoßen habe. Der in Bayreuth lehrende Staatsrechtler Oliver Lepsius sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" dazu: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen."

Lepsius, seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Allgemeine und Vergleichende Staatslehre, fügte mit Blick auf den Ruf der Fakultät hinzu: "Wir gehören zu den zehn besten rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland."

[02.03.2011, 20:53:30]
Dr. Jürgen Schmidt 
Der Rest ist ( hoffentlich ) Schweigen
Konzentriert man sich auf jene Dinge, die man beurteilen kann ( die eventuelle thematische Überforderung bei der Doktorarbeit, etwaige Verquickung wirtschaftlicher Familieninteressen mit der Zulassung zur Promotion trotz schwacher Examensnoten gehören wohl nicht dazu) verbleibt ein fortgesetztes Verhaltensmuster des Barons, dessen Unanständigkeit in bürgerlichem Sinne sich angesichts erwiesener Täuschung von mal zu mal gesteigert hat, von der Behauptung "abstruser Unterstellungen", dem Mitleidsapell für den "jungen Familienvater", dem Hinweis auf die "mühevolle Kleinarbeit in der Freizeit" bis zu dem Versuch für den Rücktritt die toten Soldaten in Afghanistan einzuspannen.
Man hätte sich eine weniger agressive Behandlung der Causa im Parlament gewünscht. Das hätte Einsichtsvermögen des Barons, rückhaltlose Ehrlichkeit und nicht Beschönigung bis zuletzt voraus gesetzt.

Dass die Nation sich spaltet in der Beurteilung dieses Mannes, der nicht nur über seine Fehler gestolpert ist, sondern nach dem Urteil vieler seinen Habitus als unerträglich gewordene Maskerade und Zumutung entlarvt hat, wen wundert's wirklich, Leute mit Urteilsvermögen sind stets - zunächst - in der Minderheit.  zum Beitrag »
[02.03.2011, 15:34:13]
Dr. Klaus Laros 
Bewusste Täuschung ?

Diesen und ähnlich groben Verdächtigungen in der Causa v.G. kann ich mich
nicht anschliessen. Auch ein Doktorvater trägt gegenüber seinen
Doktoranden die Verantwortung, sie u.a.thematisch nicht zu überfordern.
Schaut man sich das vorgegebene Thema an, halte ich v.Gs Eingeständnis für glaubhaft, er bereue die Annahme der Arbeit, die er
als einen Auftrag zur Lösung der Quadratur des Kreises empfunden habe.
So zog sich der Arbeitsfortgang über Jahre hin, über deren regelmässige Betreuung durch den Doktorvater Prof.H.öffenlich nichts bekannt ist.
Schon im Vorfeld der Abgabe hätten die zwangsläufig auftretenden Probleme erkannt und ausgeräumt werdenn können. So
schlidderte v.G. geradezu in die Misere. Wie ist es zu verstehen
dass Prof.H. seinerzeit die Arbeit mit" summa cum laude "
bewertete, während er heute diese mit " nicht akzeptabel"
beurteilt ?

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[28.02.2011, 11:09:41]
Dr. Jürgen Schmidt 
Ein Lehrstück
Der Vorgang zeigt, dass narzistische Charismatiker, die sich geschickt inszenieren, noch immer - trotz aller negativer Erfahrung - im Volk zu hohem, höchten, ja gläubigen Ansehen gelangen können und sogar die einfache Frage, ob der Baron auch über geistigen Adel verfügt, lange Zeit weitgehend ausgeblendet wird.

Der Fall Guttenberg ist zugleich ein Lehrstück über den Zustand der Regierung in diesem unserem Lande.

Ein Blick zurück: Helmut Kohl wurde von Fau Merkel mit einem moralisierenden und vernichtenden Artikel in der FAZ über sein Schweigen zu Parteispendern in die Versenkung gestoßen. Wer solche Maßstäbe wählt und später nach Belieben andere, zeigt sich in einem seltsamen Licht.
Frau Merkel wird ihr Verhalten im Fall Guttenberg politisch nicht lange überleben.  zum Beitrag »

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