Ärzte Zeitung online, 11.03.2011

Starkes Erdbeben in Japan: Viele Tote, Tsunami-Warnung für 20 Länder, Brand in Kernkraftwerk

Starkes Erdbeben in Japan: Viele Tote, Tsunami-Warnung für 20 Länder, Brand in Kernkraftwerk

Kurve des Erdbebens in Japan, registriert im Seismologischen Observatorium in Berggießhübel (Sachsen).

© dpa

TOKIO (dpa). Eine Erdbebenkatastrophe mit unabsehbaren Ausmaßen hat am Freitag weite Teile von Japan heimgesucht. Der Erdstoß der Stärke 8,9 löste einen Tsunami aus. Mindestens 60 Menschen wurden getötet. Es gibt eine Tsunami-Warnung für 20 Länder und vorsorglichen Atomalarm in Japan.

Außerdem gebe es viele Verletzte und Vermisste.Es wird befürchtet, dass die Flutwelle weitere Küsten im Pazifik erreicht. Eine zehn Meter hohe Flutwelle traf den Hafen der Stadt Sendai an der Ostküste, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN gibt es eine Tsunami-Warnung für 20 Länder. In den USA gelte die Warnung für Hawaii und die Westküste.

Fernsehbilder zeigten eine gewaltige Flutwelle, die auf die Ostküste traf. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült. Sendai liegt 130 Kilometer westlich des Epizentrums. Das Beben ereignete sich gegen 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ).

Starkes Erdbeben in Japan: Viele Tote, Tsunami-Warnung für 20 Länder, Brand in Kernkraftwerk

Nach dem katastrophalen Erdbeben in Japan überrollt eine riesige Flutwelle den Ort Natori.

© dpa

Brand in Kernkraftwerk - vorsorglich Atomalarm in Japan ausgerufen

Das gewaltige Erdbeben hat am Freitag einen Brand in einem Atomkraftwerk ausgelöst. In einem Turbinengebäude des Kraftwerks Onagawa in der Präfektur Miyagi brach ein Feuer aus, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Es gebe laut Betreiber keine Anzeichen dafür, dass radioaktive Strahlung austrete.

Fünf Reaktoren in der am schwersten betroffenen Region im Nordosten der Hauptinsel Honshu wurden automatisch heruntergefahren. Der japanische Regierungschef Naoto Kan hat inzwischen Atomalarm ausgerufen. Es seien jedoch keine radioaktiven Lecks in oder in der Nähe von Atomkraftwerken festgestellt worden. Der Regierungschef habe den atomaren Notfall deswegen ausgerufen, damit die Behörden leicht Notfallmaßnahmen ergreifen können, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Anwohner von Atomkraftwerken müssten aber keine besonderen Maßnahmen ergreifen.

Das Atomkraftwerk Onagawa besteht aus drei Reaktoren, die von 1984 bis 2002 an der Ostküste von Honshu gebaut wurden. Dabei handelt es sich um Siedewasserreaktoren. In Onagawa kam es in der Vergangenheit mehrmals zu Störfällen. 2002 wurden bei Wartungsarbeiten zwei Arbeiter leicht verstrahlt.

Angst vor radioaktivem Leck – 2000 Anwohner auf der Flucht

Rund 2000 Anwohner eines Atomkraftwerks in der japanischen Provinz Fukushima sind aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Grund sei die Angst vor einem möglichen radioaktiven Leck, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf lokale Behörden. Anwohner in einem Radius von zwei Kilometer um den Reaktor seien aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. In einem Reaktor in Fukushima wurde nach dem Erdbeben ein Notkühlsystem gestartet.

In Tokio, 400 Kilometer südwestlich des Epizentrums gelegen, brachen an acht Stellen im Stadtzentrum Brände aus. Für zahllose Haushalte brach die Stromversorgung zusammen. Der Flughafen Narita wurde geschlossen und evakuiert. Auch die U-Bahn von Tokio wurde eingestellt, die Hochgeschwindigkeitszüge (Shinkansen) wurden gestoppt.

Starkes Erdbeben in Japan: Viele Tote, Tsunami-Warnung für 20 Länder, Brand in Kernkraftwerk

Ein Tsunami hat nach dem Erdbeben in Japan in Iwaki zerstört.

© dpa

Der Leiter des Goethe-Instituts in Tokio, Raimund Wördemann, sagte der dpa etwa eine Stunde nach dem ersten Erdstoß während eines Nachbebens, es gebe im Gebäude keinen absoluten sicheren Raum. "Es gibt nur eben die Aussage, das Gebäude selbst sei besonders sicher, so dass wir hier mit Helm auf dem Kopf und teilweise unter den Tischen kauernd im Moment noch ausharren."

In Tokio kam das Kabinett unter Leitung von Ministerpräsident Naoto Kan zu einer Krisensitzung zusammen. Das Verteidigungsministerium ordnete den Start von acht Kampfflugzeugen an; Luftaufnahmen sollen einen ersten Überblick zu den Schäden ermöglichen.

In Sendai wurde die Landebahn des Flughafens überschwemmt, wie die Flughafenbehörde mitteilte. Flüsse traten durch das einströmende Meerwasser über die Ufer. Wohngebiete wurden überflutet, wie Kyodo meldete.

Auch aus anderen Orten wurden schwere Schäden gemeldet. In Chiba geriet nach einer Meldung von Kyodo eine Stahlfabrik in Brand. Über Teilen der Stadt Yokohama stiegen schwarze Rauchwolken auf. In Iwate wurden Dutzende von Autos von den Wassermassen weggerissen. In Kamaishi in der Präfektur Iwate stürzten Brücken ein.

Auf der zu den USA gehörenden Pazifikinsel Hawaii wurde eine Tsunami-Warnung ausgelöst. Dort könnte eine von dem Erdbeben verursachte Flutwelle frühestens um 02.59 Uhr Ortszeit (13.59 Uhr MEZ) eintreffen, wie der US-Fernsehsender Khon TV in seinem Internet-Portal berichtete.

Die Region war erst am Mittwoch von einem Erdbeben der Stärke 7,3 getroffen worden. Das Beben war allerdings glimpflich verlaufen.

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Tsunami-Wellen treffen auf US-Westküste

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