Ärzte Zeitung online, 11.03.2011

Erdbeben-Erschütterungen wurden auch in Göttingen registriert

GÖTTINGEN (pid). Das heftige Beben in Japan hat auch in der Universitätsstadt Göttingen Spuren hinterlassen. Das Unternehmen Sartorius musste wegen der Erschütterungen die Prüfungen von hochauflösenden Waagen für mehrere Stunden aussetzen.

GÖTTINGEN (pid). Bei dem Hersteller für Labor- und Prozesstechnologie Sartorius in Göttingen wirkte sich das Beben unmittelbar auf Prüfvorgänge aus: Durch die Erschütterungen wurden Messungen erheblich beeinträchtigt "Unsere Waagen sind so extrem genau und hochsensibel, dass sie selbst feinste Erschütterungen registrieren", sagte am Freitag Sartorius-Experte Dr. Udo Wedeken.

Das Göttinger Unternehmen verfügt seit einigen Jahren über ein eigenes Messgerät. Die Idee dazu hatte Wedeken, der früher im Geophysikalischen Institut der Universität Göttingen tätig war. Der Physiker baute eine hoch auflösende Analysenwaage von Sartorius so um, dass sie alle Erdbewegungen registriert.

Der Umbau hat einen ganz praktischen Hintergrund: Bevor Sartorius seine hochauflösenden Waagen an die Kunden ausliefert, werden diese geprüft und justiert. Mit Hilfe des Messgeräts lässt sich im Fall einer Störung die Ursache nachvollziehen. Ist die Störung auf externe Einflüsse wie zum Beispiel ein Erdbeben zurückzuführen, werden Prüfvorgänge unterbrochen.

Weil die nachfolgenden Wellen und Nachbeben in Japan ständig weitere Störungen verursachten, dauerte die Unterbrechung bei der Justierung hoch auflösender Waagen mehrere Stunden. "Unsere Waagen sind so sensibel, dass die Auswirkungen des Erdbebens direkt registriert werden konnten", sagte Wedeken. Vor allem die ersten Oberflächenwellen, die rund eine Dreiviertelstunde nach dem Beben Deutschland erreichten, verursachten heftige Ausschläge.

"Jetzt müssen wir warten, bis wieder ruhigere Zeiten kommen. Erst wenn die Bodenbewegungen nachlassen, können wir unsere Prüfungen wiederholen beziehungsweise fortsetzen."

In Göttingen registrierten noch zwei weitere Anlagen das Beben: Die über 100 Jahre alten weltberühmten Wiechert`schen Seismographen im Erdbebenhaus und die benachbarte offizielle Messstation der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover.

Göttingen ist der einzige Standort in Deutschland, an dem zwei vollkommen unterschiedliche Messstationen parallel das gleiche seismische Ereignis registrieren.

Lesen Sie auch:
Erdbeben in Japan: Tsunami, Atomalarm, hunderte Tote

Topics
Schlagworte
Panorama (30672)
Japan (438)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »