Ärzte Zeitung, 22.03.2011

Ein Arzt lehrt Dummies das Zaubern

Im Alter von 16 Jahren qualifizierte er sich für den Magischen Zirkel und war jüngster Zauberer Deutschlands. Am Ende seines Medizinstudiums aber entschied sich Oliver Erens doch für den Arztberuf. Das Interesse für die Zauberei blieb ungebrochen. Längst hat Erens andere Wege entdeckt, sein magisches Wissen weiterzugeben.

Von Pete Smith

Ein Arzt lehrt Dummies das Zaubern

Zaubertrick der alten Schule und immer wieder verblüffend: Wie um alles in der Welt kommt das Kaninchen in den Zylinder?

© Anyka / shutterstockk

STUTTGART. Magische Momente der Kindheit vergisst man sein ganzes Leben nicht. Oliver Erens war zehn, als ihn ein solcher Augenblick berührte. Als Gast eines Kindergeburtstags erlebte er die Darbietungen eines Illusionisten. Oliver Erens ließ sich verzaubern und wurde schon wenige Jahre später zum jüngsten Zauberer Deutschlands!

Die Zauberei ist dem Stuttgarter Arzt Dr. Oliver Erens auch heute noch sein "liebstes Hobby". Inzwischen ist er 44 und hat selbst zwei Kinder. Mit seinen Büchern über die Kunst der Magie will er Jung und Alt für sein Hobby begeistern. Aus seiner Feder stammt der Bestseller "Zaubertricks für Dummies", dieser Tage erscheint der Folgetitel: "Zauberei für Dummies".

An seinen ersten Auftritt als Zauberer kann sich der Arzt und Verleger gut erinnern. "Nachbarn von uns hatten gehört, dass ich zaubere, und mich zu einer Party eingeladen, da war ich 15."

Seit seiner ersten Begegnung mit einem Zauberer hatte er bereits etliche Bücher zum Thema gelesen und sich selbst eine Reihe von Tricks beigebracht - "darunter Kartentricks und die Nummer mit den Seilen, die durchschnitten werden und dann auf magische Weise wieder zusammen wachsen." Eine Gage bekam er damals auch: "Ich durfte mich nach Herzenslust am Buffet bedienen."

Ein Freund seines Vaters, so erzählt der 1967 in Heidelberg geborene Arzt, habe ihn schon früh mit dem Magischen Zirkel von Deutschland bekannt gemacht. Dieser 1912 in Hamburg gegründete Verein - ein elitärer Kreis, der Kandidaten nur nach bestandener Prüfung aufnimmt - zählt bundesweit knapp 3000 Mitglieder.

Um in die tieferen Geheimnisse der versierten Magier eingewiesen zu werden, entschloss sich Oliver Erens schon als Teenager, die Aufnahmeprüfung zu wagen. Sie besteht aus einem theoretischen Teil zur Geschichte der Zauberkunst sowie einem praktischen Examen, bei dem die Fingerfertigkeit unter Beweis gestellt und ein eigenes 15-minütiges Programm dargeboten werden müssen.

Erens bestand mit Bravour und avancierte 1983 im Alter von 16 Jahren zum jüngsten Zauberer Deutschlands.

Dennoch", so stellt der Stuttgarter Arzt klar, "war eine Karriere als Zauberer nie mein Ziel." Stattdessen habe er sich schon als Teenager vorgenommen, nach dem Abi Medizin zu studieren. 1987 schrieb sich Erens an der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt am Main ein.

Bald erkannte er, wie er seine beiden Leidenschaften miteinander verbinden konnte. Seine Kollegen staunten nicht schlecht, als er damit begann, auf medizinischen Kongressen das Fachpublikum zu verzaubern.

Den bekannten Seiltrick wandelte er so ab, dass er den Schlauch eines Stethoskops zerschnitt und zusammenfügte, oder er präsentierte ein leeres Buch, das sich auf einen Fingerschnipp hin mit einer Dissertation füllte.

Seine eigene Dissertation reichte der angehende Arzt 1993 unter dem Titel "Häufigkeit und Behandlung subakuter kardiovaskulärer Komplikationen nach perkutaner transluminaler koronarer Angioplastik" ein. Mit der Beendigung seines Studiums entschied sich Erens, die aktive Zauberei aufzugeben.

Vor allem der mangelnden Zeit wegen. Denn wer sein Publikum verblüffen will, muss ständig hinzu lernen und seine Fingerfertigkeit trainieren. Das Interesse für die Zauberei blieb jedoch ungebrochen. Längst hatte Erens andere Wege entdeckt, sein magisches Wissen weiterzugeben - vor allem als Mitarbeiter der Zeitschriften "Magische Welt" und "Magie", beide Publikationen des Magischen Zirkels Deutschlands.

Mit seinen fundierten Beiträgen machte er sich bald einen Namen unter seinen Zauberer-Kollegen, zu denen auch der Fernsehmoderator und Bestsellerautor Dr. Eckart von Hirschhausen gehört.

Nach seiner Approbation arbeitete Erens zunächst in einer Hausarztpraxis, später als Gesundheitsexperte bei einer Krankenkasse. Daneben gründete Erens einen eigenen Fachverlag für magische Bücher, den Zauberbuch-Verlag, und schrieb sein erstes Buch: "Inside Card-Magic".

Das 1995 erschienene und inzwischen vergriffene Kompendium habe in der Zunft "eingeschlagen wie eine Bombe", erinnert sich Erens. Der Magische Zirkel ernannte den Autor zum "Schriftsteller des Jahres".

Just zu dieser Zeit suchte der Herausgeber der beliebten "Dummies"-Reihe einen Experten, der die deutsche Ausgabe des US-amerikanischen Zauberer-Buchs lektorieren sollte. Erens war erste Wahl. Und damit nicht genug:

Als ein weiterer Band der Reihe geplant wurde, trug man dem Arzt an, jenen selbst zu verfassen. "Ich habe ‚Hurra!‘ geschrien", freut sich Erens noch immer. Nach einem Zitat in einem Harry-Potter-Band nannte er das Buch "Zaubertricks für Dummies". Inzwischen ist bereits die vierte Auflage auf dem Markt. Viele neue Tricks verspricht Erens' neues Buch "Zauberei für Dummies".

Ein Arzt lehrt Dummies das Zaubern

Oliver Erens: Zauberei für Dummies. Wiley Verlag. Weinheim 2011. 362 Seiten. 19,95 Euro..

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