Ärzte Zeitung online, 31.03.2011

Verzweifelte Lage in Fukushima - Strahlung im Meer steigt weiter

Verzweifelte Lage in Fukushima - Strahlung im Meer steigt weiter

TOKIO/BERLIN (dpa). Unermüdlich kämpfen Techniker gegen die atomare Katastrophe in Japan, doch die Strahlen-Lecks in Fukushima sind noch immer außer Kontrolle. Die Regierung plant jedoch vorerst keine Ausweitung der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk. Unterdessen nimmt die radioaktive Belastung des Meerwassers zu.

Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am 31. März. Er reagierte damit auf Empfehlungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Man werde aber ausgehend von IAEA-Daten den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen.

Die japanische Regierung erwägt verschiedene Notmaßnahmen, um die Radioaktivität einzudämmen. Dazu gehört auch die Idee, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken oder verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff zu pumpen.

In Fukushima haben Arbeiter die Vorbereitungen zur Beseitigung radioaktiv verseuchten Wassers in Turbinengebäuden fortgesetzt. Zuvor war die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, mit fünf Experten in Japan eingetroffen, um in der Atomkrise zu helfen. Sie sind auf die Behandlung radioaktiven Abwassers spezialisiert.

Regen zwang den Betreiber Tepco dazu, das Besprühen verstrahlter Trümmer mit Kunstharz zur Eindämmung von Radioaktivität auszusetzen. Derweil steigt die Radioaktivität: Im Meerwasser nahe des AKW seien Jod-131 mit einer 4385-fach höheren Konzentration als erlaubt gemessen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, kritisierte die Informationspolitik der japanischen Behörden und des Tepco-Konzerns. "Was im Augenblick für viele am schwersten nachzuvollziehen ist, ist die Frage, wieso Information, deutliche, klare, präzise Information, so schwierig zu bekommen ist", sagte Steiner der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Der UNEP-Direktor warnte zugleich vor weiteren schweren Reaktorunfällen. Mindestens 20 bis 30 Reaktoren der gleichen Bauart wie der Katastrophenreaktor Fukushima seien weltweit in Betrieb, auch in erdbebengefährdeten Gebieten.

Technik aus Deutschland soll Kühlung der Reaktorblöcke unterstützten

Im Kampf gegen einen Super-GAU wird am 31. März weitere Technik aus Deutschland nach Japan geflogen. Vom Stuttgart aus soll ein Großraumflugzeug mit einem Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister an Bord starten. Mit der mehr als 60 Meter hohen Pumpe kann nach Angaben des Unternehmens Wasser von oben in die Reaktoren gepumpt werden. In den nächsten Tagen sollen drei weitere der bis zu 80 Tonnen schweren Geräte folgen.

Die Pumpen sollen zunächst zur Kühlung verwendet werden, später werden sie eventuell für Beton-Arbeiten gebraucht. Eine erste Pumpe der Firma hilft bereits seit mehr als einer Woche bei der Kühlung des Atomkraftwerks Fukushima eins.

Kaiser Akihito traf erstmals mit Überlebenden des Erdbebens und Tsunamis zusammen. Gemeinsam mit seiner Gemahlin Michiko nahm sich der Monarch eine Stunde Zeit, um etwa 290 Flüchtlingen in Tokio Trost zu spenden, wie japanische Medien am 31. März meldeten.

Die Zahl der nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März offiziell für tot erklärten Opfer stieg auf 11.362. Weitere 16.290 Menschen werden noch vermisst.

Erdbebenopfer leiden weiter unter harter Witterung

Die Menschen im japanischen Katastrophengebiet sind weiter harten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Wie der öffentliche Fernsehsender NHK am 31. März meldete, wurde für die Nacht wieder Regen erwartet. Noch immer herrschen Temperaturen am frühen Morgen um den Gefrierpunkt, was das Leben vor allem der vielen alten Menschen in den Notlagern erschwere.

Die meteorologische Behörde warnte zudem vor weiteren starken Nachbeben und möglichen Tsunami.

Zum Special "Katastrophe in Japan"

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