Ärzte Zeitung online, 12.04.2011

China: Doping-Gefahr durch Clenbuterol "sehr gering"

PEKING (dpa). Chinas Anti-Doping-Agentur hat die latente Gefahr von positiven Tests durch Clenbuterol-kontaminierte Lebensmittel heruntergespielt. Die Europäer würden in diesem Punkt überreagieren, behauptete der stellvertretende Agenturchef Zhao Jian am Dienstag laut chinesischen Presseberichten.

Das Risiko, positiv auf den anabolen Wirkstoff getestet zu werden, sei "sehr gering". China überwache die Qualität von Lebensmitteln, die Sportler im Training und bei Wettkämpfen konsumieren, sehr genau. "Es gibt nichts, wovor man sich fürchten müsste", sagte der Funktionär.

Zhao reagierte mit seinen Aussagen auf Warnmeldungen der deutschen Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) und des Kölner Analyse-Labors, wonach bei China-Reisenden deutlich erhöhte Clenbuterol-Werte nachgewiesen worden waren.

Auch in Mexiko besteht nach neuen Erkenntnissen von Wissenschaftlern eine erhöhte Gefahr des unbeabsichtigten Clenbuterol-Dopings.

Eine entsprechende Warnung hatte die NADA erst am 4. April herausgegeben "Die NADA rät deshalb wie auch bei Reisen nach China zu höchster Sensibilität bei der Ernährung", hieß es darin.

Auf den Verzehr von Fleischprodukten sollte möglichst verzichtet werden. Die verbotene Substanz Clenbuterol dient Sportlern zum Muskelaufbau und wirkt fettverbrennend.

Ein spektakulärer Fall liegt noch nicht lange zurück: Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov war im August 2010 nach der Rückkehr von den China Open in A- und B-Probe positiv auf Clenbuterol getestet worden.

Er konnte aber mit einer Haaranalyse darlegen, dass die auch als Kälbermastmittel eingesetzte Arznei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch Nahrungsaufnahme in China - ohne sein Wissen - in seinen Körper gelangt war. Ovtcharov wurde freigesprochen.

Dem dreifachen Tour-de-France-Gewinner Alberto Contador war angeblich mit Clenbuterol kontaminiertes Rindfleisch zum Verhängnis geworden. Der Radprofi führte seinen Befund jedenfalls darauf zurück.

Der nationale Radsportverband sprach Contador vom Doping-Vorwurf frei. Dagegen legten sowohl der Weltverband UCI als auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ein. Ein abschließendes Urteil soll noch vor Beginn der Tour de France am 2. Juli gefällt werden.

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