Ärzte Zeitung online, 13.04.2011

Ärzte ohne Grenzen versorgen Überlebende des Flüchtlingsdramas

NEU-ISENBURG (ths). Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische und psychologische Hilfe für die vielen afrikanischen Flüchtlinge, die in Lampedusa ankommen.

Ärzte ohne Grenzen versorgen Überlebende des Flüchtlingsdramas

Wenn die Boote mit den Flüchtlingen an Lampedusa anlegen, wartet Ärzte ohne Grenzen bereits, um sie zu versorgen.

© dpa

Nach dem verheerenden Bootsunglück vor einer Woche, bei dem nur 47 der geschätzten 300 Bootinsassen ans Land der italienischen Insel gelangten, war es nach Angaben der Hilfsorganisation vor allem nötig, die Überlebenden psychologisch zu betreuen.

"Die Überlebenden waren in einem guten gesundheitlichen Zustand, aber die meisten von ihnen litten unter einem schweren Schock", berichtet Krankenschwester Angelina Perrli von Ärzte ohne Grenzen. Deswegen habe die Hilfsorganisation sich dann dazu entschieden, diese Migranten auch psychologisch zu betreuen.

Schwangere Frauen ums Leben gekommen

Ein junger Somalier, der die Tragödie im stürmischen Mittelmeer überlebt hat, erzählte: "Ich verletzte mich im Gesicht, als Wasser ins Boot drang. Ich kann zwar schwimmen, aber zwei andere Passagiere mussten mich festhalten, damit ich nicht ertrinke. Ich kämpfte ums Überleben".

Andere Menschen, die gerettet wurden, berichteten Ärzte ohne Grenzen, dass einige schwangere Frauen schon während der Reise ums Leben gekommen seien.

Nachdem die Überlebenden in Lampedusa angekommen waren, teilte das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen die Flüchtlinge in Gruppen ein - je nachdem, wie schwer sie verletzt waren und wie intensiv die nötige Betreuung eingeschätzt wurde.

Mehr als 600 Flüchtlinge in einer Woche untersucht

Die Flüchtlinge kamen ins Lager, wo sie dann genauestens medizinisch untersucht wurden. In den meisten Fällen litten die Betroffenen an Magen-Darm-Beschwerden, Lungenproblemen und Infektionen der Atemwege.

"Während der vergangenen Woche haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 600 Migranten aus Libyen untersucht", berichtete Aurélie Ponthieu von Ärzte ohne Grenzen.

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