Ärzte Zeitung online, 16.04.2011

Erdbeben rund um Tokio - in Fukushima Zeolith gegen verseuchtes Wasser

Erdbeben rund um Tokio - in Fukushima Zeolith gegen verseuchtes Wasser

TOKIO (dpa). Ein schweres Nachbeben hat am Samstag den Großraum Tokio erschüttert. Berichte über mögliche Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die Meteorologische Behörde gab keine Tsumani-Warnung aus. Derweil kämpfen die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima mit Zeolith gegen radioaktiv verseuchtes Wasser.

Der Erdstoß der Stärke 5,9 im Großraum Tokio erschütterte die Katastrophenprovinz Ibaraki sowie angrenzende Regionen. Das Epizentrum lag in rund 70 Kilometer Tiefe im südlichen Teil der Provinz Tochigi. Auch Häuser in der Hauptstadt Tokio schwankten.

Der Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen wurde vorübergehend, wie bei solchen Erdbeben üblich, automatisch gestoppt. Berichte über neue Schäden gab es nicht, auch keine Tsunami-Warnung.

Seit dem verheerenden Seebeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami vom 11. März halten Hunderte von teils starken Nachbeben die Japaner in Atem.

Japan kämpft weiter gegen verseuchtes Wasser

Die Arbeiter in der Atomruine Fukushima versuchen weiter unermüdlich, das AKW unter Kontrolle zu bringen. Erschwert wird ihre Arbeit durch massenweise verseuchtes Wasser. mithilfe des Minerals Zeolith versuchen sie, ins Meer geflossenes radioaktives Material zu absorbieren.

Die Arbeiter deponierten drei je 100 Kilogramm schwere Säcke mit Zeolith nahe der Ansaugrohre für den Reaktor 1 im Meer. Sieben weitere der 80 Zentimeter hohen Säcke seien vorbereitet worden, meldete Jiji. Die Arbeiten werden am Wochenende fortgesetzt.

Der Betreiber Tepco will zunächst prüfen, wie effektiv diese Methode ist. Es werde erwogen, Zeolith dann auch in den Turbinengehäusen der Reaktoren einzusetzen, wo sich verseuchtes Wasser angesammelt hat.

Stark radioaktives Wasser steht im Tunnelschacht von Reaktor 2 knapp 89 cm hoch

Unterdessen hat der Atombetreiber Tepco herausgefunden, dass das in einem Tunnelschacht des Reaktors 2 angesammelte stark verseuchte Wasser seit dem Abend des 15. April bis zum Samstagmorgen (Ortszeit) um 1,5 Zentimeter auf 88,5 Zentimeter Höhe gestiegen ist.

Neben dem zur Kühlung des Reaktors eingesetzten Wassers könnte auch Grundwasser eingesickert sein, hieß es. Außer mit Säcken voll Zeolith versuchen die Arbeiter mit Stahlplatten die Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Zum Special "Katastrophe in Japan"

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[16.04.2011, 10:10:19]
Dr. Joachim Malinowski 
Der Betreiber Tepco will zunächst prüfen, wie effektiv diese Methode ist...
Das spricht nicht für eine gute Vorbereitung, wie man im Ernstfall mit freigewordenen Radionukliden umzugehen hat. Es sieht eher so aus, als ob man erst jetzt Methoden zur Eindämmung "erfinden" würde. Dabei hatte man über Jahrzehnte genügend Zeit, um ggf. effiziente Schutzmethoden (sofern es solche überhaupt geben kann) zu entwickeln.

Selbst die AKW-Industrie in dem technisch hochentwickelten Land Japan hat also nichts gegen diese Katastrophe in der Hand. Und so geht die Geschichte ihren Gang.

Wie schlimm wird es erst bei uns bzw. in technisch weniger entwickelten Ländern aussehen?

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