Ärzte Zeitung online, 21.04.2011

Extrem junges Frühchen aus Fulda ist jetzt zu Hause - und hat gute Chancen

FULDA (dpa). Ein extrem junges Frühchen ist im hessischen Fulda zur Welt gekommen. Die kleine Frieda wurde nach einer fast um die Hälfte verkürzten Schwangerschaft bereits Anfang November geboren und konnte am Mittwoch zu ihren Eltern nach Hause, wie das Klinikum mitteilte.

Das Mädchen war nach nur 21 Wochen und fünf Tagen zur Welt gekommen. Ihr Geburtsgewicht betrug nur 460 Gramm, jetzt wiegt sie 3,5 Kilogramm. Gewöhnlich dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen.

Das Klinikum berichtete, dass es in Europa keine jüngere Frühgeburt gegeben habe. Der Chefarzt der Kinderklinik, Reinald Repp, sagte: "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie nicht gesund sein könnte." Die Eltern wollten sich laut Krankenhaus nicht äußern und unerkannt bleiben.

Eine besonders frühe Geburt hatte es zuletzt laut Berichten aus den USA gegeben. Die kleine Amillia Sonja Taylor war am 24. Oktober 2006 nach 21 Wochen und 6 Tagen zur Welt gekommen. Sie wog damals nur 284 Gramm und war 24,1 Zentimeter groß. Nach Angaben des Baptist Children's Hospital in Miami war es damals das jüngste Frühchen, das jemals überlebt hat.

In Japan soll allerdings ein Frühchen überlebt haben, das in der 21. Schwangerschaftswoche zur Welt kam.

Das Klinikum Fulda berichtete von einem Jungen, der 1987 im kanadischen Ottawa das Licht der Welt erblickte, ebenfalls nach 21 Wochen und 5 Tagen - wie die kleine Frieda. Es gebe in der Fachliteratur keine Hinweise auf noch jüngere Frühchen als jetzt in Fulda. Die Gesellschaft für Neugeborenen-Medizin geht davon aus, dass Kinder vor der 22. Woche keine Überlebenschance haben.

Zahl der Frühgeburten nimmt zu

Die Zahl der Frühgeburten nimmt kontinuierlich zu. In Deutschland sind es rund 9 Prozent aller Babys. 1997 waren es nur sieben Prozent. Mittlerweile wird nach Angaben des Klinikums Dortmund jedes 14. Kind als Frühgeborenes vor der 37. Schwangerschaftswoche entbunden. Darunter seien jährlich 8000 Kinder, die vor der 30. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen.

In Dortmund hatte es jüngst ein Frühchen geschafft, das kaum schwerer als ein Päckchen Butter war. Es überlebte mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm. Nach fast fünf Monaten Aufenthalt im Perinatalzentrum am Klinikum Dortmund konnten die Eltern das Mädchen mit nach Hause nehmen. Mit diesem extrem niedrigen Gewicht zählt das Kind nach Angaben der Klinik zu den kleinsten überlebenden Frühgeborenen weltweit.

Das Kind in Dortmund war in der frühen 24. Schwangerschaftswoche mit einer Körperlänge von 22 Zentimetern zur Welt gekommen. Die Kinder wiegen bei normalen Geburten im Schnitt 3500 Gramm und sind 50 Zentimeter lang. Bei der Entlassung wog "Dortmunds kleinste Kämpferin" mehr als 2500 Gramm.

Mutter in Fulda hatte bereits in der 15. Schwangerschaftswoche Komplikationen

Bei der Schwangerschaft der Mutter in Fulda hatte es bereits in der 15. Woche Komplikationen. Sie musste wegen vorzeitiger Wehen behandelt werden. Es gelang die Geburt weiter hinauszuzögern. Dass das Kind in dem früheren Stadium überlebte, ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr wurden laut Klinikum 98 Kinder in der 22. Woche geboren. Nur zwei von ihnen hätten überlebt - beide in Fulda.

Die Überlebenschancen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, so dass auch kleinste Frühgeborene mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht eine reelle Überlebenschance haben. Allerdings steigt mit zunehmender Unreife das Risiko langfristiger Entwicklungsstörungen. Der Ausgang bei der Behandlung extrem kleiner Frühgeborener ist oft ungewiss, da die Medizin technisch, aber auch wegen der Unreife der Kinder oft an ihre Grenzen stößt.

In Deutschland kommen jährlich 60.000 bis 63.000 Neugeborene als Frühchen zur Welt. Ihnen drohen später gesundheitliche Probleme. Häufig kommt es bei ihnen später zu Schwierigkeiten wie etwa Aufmerksamkeitsstörungen in der Schule. Es können auch Lähmungen oder Krampfanfälle auftreten.

Nach Angaben der Europäischen Stiftung für Neugeborene EFCNI liegt die Überlebensrate bei Kindern mit einem Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm bei 66 Prozent. Die häufigsten Spätfolgen sind laut der Stiftung Entwicklungsverzögerungen, chronische Atemwegserkrankungen, motorische Störungen und Aufmerksamkeitsstörungen.

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