Ärzte Zeitung online, 21.04.2011

Strahlengrenzwerte für Schulen festgelegt - Sperrzone um Fukushima

Japan verhängt Sperrzone um Atomkraftwerk Fukushima

TOKIO (dpa). Japan hat um den zerstörten Atommeiler Fukushima nun eine offizielle Sperrzone eingerichtet. Ihr Radius: 20 Kilometer. Kinder sollen besonders vor Strahlen geschützt werden, für sie legte die Regierung einen Grenzwert fest.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete, dürfen Schulen und Spielplätze benutzt werden, solange die Strahlendosis unter freiem Himmel nicht mehr als 3,8 Mikrosievert pro Stunde beträgt.

Rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima richtete die Regierung zudem eine offizielle Sperrzone mit einem Radius von 20 Kilometern ein.

Kinder reagieren auf Strahlung empfindlicher

Wenn sich ein Mensch bei dem festgelegten Strahlenwert jeden Tag acht Stunden lang draußen aufhält, beläuft sich die insgesamt über den Zeitraum eines Jahres angesammelte Radioaktivität nach Regierungsangaben auf rund 20 Millisievert. Der Grenzwert wurde unter der Bedingung festgelegt, dass fortwährend gemessen wird, hieß es.

Nach Angaben des Erziehungsministeriums entspricht der festgelegte Wert den Bestimmungen der International Commission on Radiological Protection, die bei einem Atomunfall eine jährliche Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert sowohl für Erwachsene als auch für Kinder zulässt. Kinder reagieren allerdings viel empfindlicher auf eine Strahlenbelastung als Erwachsene.

Das Münchner Institut für Strahlenschutz am Helmholtz Zentrum bewertete die Einstufung dennoch positiv. Japan habe sich an den Werten orientiert, die von der internationalen Strahlenschutzorganisation empfohlen werden - und sogar noch vorsichtigere Zahlen festgelegt.

"Der Grenzwert wurde niedriger eingestuft, als es in Deutschland für den Katastrophenfall vorgesehen wäre", sagte Christoph Hoeschen, Leiter der Abteilung Medizinische Strahlenforschung und Diagnostik.

Ohne Genehmigung kein Zutritt

Japans Ministerpräsident Naoto Kan erklärte am Donnerstag (21. April) bei einem Besuch in der Provinz Fukushima die Region um das AKW zum Sperrgebiet, das niemand ohne staatliche Genehmigung betreten dürfe.

Die 20-Kilometer-Zone um das AKW galt zwar schon zuvor als Evakuierungszone - es gab jedoch kein Verbot, es zu betreten. Die Sperrzonen-Regelung sollte an diesem Donnerstag um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten. Etwa 80.000 ehemalige Bewohner, die das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März überlebt haben, sind davon betroffen.

Immer wieder waren Flüchtlinge trotz der akuten Gefahr durch radioaktive Strahlen auf eigene Faust in ihre Wohngebiete zurückgekehrt, um Habseligkeiten zu holen. Das wird jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung unter Auflagen möglich sein.

So ist es nur einer Person pro Haushalt erlaubt, das Gebiet für etwa zwei Stunden zu betreten. Die Menschen müssen dabei Schutzkleidung und ein Dosimeter tragen, erklärte Regierungssprecher Yukio Edano.

Sie sollen in Gruppen mit Bussen ins Sperrgebiet gebracht werden. Dies gilt allerdings nicht für Menschen, deren Wohnungen in einem Umkreis von drei Kilometern um das AKW liegen. Sie dürfen dieses Gebiet überhaupt nicht mehr betreten.

520 Tonnen radioaktives Wasser ausgelaufen

Wie der Betreiberkonzern Tepco bekannt gab, hatte das aus dem AKW ins Meer gesickerte hochradioaktive Wasser Anfang des Monats eine Verstrahlung von geschätzt 5000 Terabecquerel.

Das entspricht dem 20.000-fachen der erlaubten Jahresmenge. Ein Leck an dem Kraftwerk war am 6. April geschlossen worden. Es seien 520 Tonnen belastetes Wasser ausgesickert, hieß es nun.

Das Wasser soll aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 und angeschlossenen Schächten stammen.

Noch immer sind zehntausende Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers in den Reaktorgebäuden. Sie behindern die Versuche, die zerstörten Kühlsysteme zu reparieren. Zumindest ein Teil des Wassers soll deshalb in den nächsten Wochen in spezielle Auffangbecken geleitet werden.

Zum Special "Katastrophe in Japan"

[23.04.2011, 19:21:54]
Dr. Olga Potuzhek 
Unverständliche Katastrophe
Schon in der Mittelschule lernte ich einiges über Radioaktivität.Nur eine Aufzählung:Madam Curie,Liese Meitner,Otto Hahn, Prof. Röntgen,Prof. Holzknecht in Wien und die vielen Toten bei der Gewinnung der Uranpechblende,damals noch im k.u.k.Österreich.Welche Idioten sind an der Macht? Wieso ist dieser Wahnsinn erlaubt??? Mit kollegialen Grüßen Dr.O.Potuzhek zum Beitrag »

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