Ärzte Zeitung online, 22.04.2011

Fachgesellschaft nennt Fuldaer Frühchen "Sensation"

Die kleine Frieda aus dem Klinikum Fulda verblüfft die Fachleute: Trotz extrem kurzer Schwangerschaft der Mutter ist das Frühchen inzwischen munter. Der behandelnde Arzt spricht von einem Wunder. Die Eltern schwanken zwischen Freude und Trauer. Frieda hatte noch einen Zwillingsbruder.

Fachgesellschaft nennt Fuldaer Frühchen "Sensation"

Die kleine Frieda: Im November kam sie mit nur 460 Gramm Lebendgewicht zur Welt, im April konnten die Eltern ihre Tochter mit 3500 Gramm nach Hause mitnehmen.

© Klinikum Fulda / dpa

FULDA (dpa). Das nach Angaben des behandelnden Arztes jüngste Frühchen Europas hat wochenlang um sein Leben gerungen. Friedas Überleben stufte die Fachgesellschaft für Neonatologie als "Sensation" ein.

"Das ist außergewöhnlich, da es an der Grenze der Lebensfähigkeit ist", sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), Professor Egbert Herting, am Donnerstag.

Am Klinikum Fulda war am Mittwoch ein Mädchen nach der extrem kurzen Schwangerschaft von 21 Wochen und 5 Tagen gesund nach Hause entlassen worden.

Üblicherweise dauern Schwangerschaften 40 Wochen. Die kleine Frieda war im November mit einem Geburtsgewicht von nur 460 Gramm zu Welt gekommen. Es könnten aber noch gesundheitliche Probleme für das Kind auftreten, warnte Egbert.

Friedas Überleben stand auf "Messers Schneide"

Mit Frieda erblickte noch ein Zwillingsbruder das Licht der Welt. Der kleine Kilian (469 Gramm) starb jedoch nach knapp sechs Wochen trotz intensiver Versorgung an Herz- und Darmproblemen, wie der Chefarzt der Kinderklinik, Professor Reinald Repp, einräumte.

Die Eltern sagten in der Donnerstagsausgabe der "Fuldaer Zeitung": "Wir sind überglücklich - aber es gibt auch Phasen tiefer Trauer."

Es sei ein "medizinisches Wunder", dass zumindest die kleine Frieda den Weg ins Leben gefunden habe, sagte der 53-jährige Pädiater Repp. "Ihr Leben stand wochenlang auf des Messers Schneide."

Repp und der Lübecker Neonatologe Herting sagten, bislang hätten weltweit nur wenige dieser besonders jungen Frühchen überlebt. "Kinder vor Vollendung der 22. Woche sind eigentlich nicht überlebensfähig", sagte Repp. Nach seiner Fachliteratur-Recherche sei Frieda Europas jüngste Frühgeburt.

Das Mädchen hat alle Chancen, "sich normal zu entwickeln"

Frieda habe überlebt, obwohl "ihre Unreife medizinisch nicht mit dem Leben vereinbar gewesen ist", sagte Repp. Erst nach etwa sechs Wochen habe sie selbst geatmet. Bakterielle Infekte galten schon als lebensgefährlich.

In der sensiblen Zeit habe es das Risiko einer Hirnblutung und Behinderung gegeben. Der Fuldaer Kinderklinik-Chef räumt ihr aber nun "alle Chancen ein, sich normal zu entwickeln". Sie habe das "allermeiste geschafft". Statistisch gesehen, drohen aber später noch Schwierigkeiten wie Ess- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Bei der Schwangerschaft der Mutter hatte es bereits in der 15. Woche Komplikationen gegeben. Sie musste wegen vorzeitiger Wehen behandelt werden. Es gelang den Ärzten schließlich, die Geburt weiter hinauszuzögern.

Extreme Frühgeburten: Eine Seltenheit

Eine besonders frühe Geburt hatte es zuletzt laut Berichten aus den USA gegeben. Die kleine Amillia Sonja Taylor war 2006 nach 21 Wochen und 6 Tagen zur Welt gekommen.

Das Klinikum Fulda berichtete von einem Jungen, der 1987 im kanadischen Ottawa das Licht der Welt erblickte, ebenfalls nach 21 Wochen und 5 Tagen - wie die kleine Frieda.

In Japan soll ein Frühchen überlebt haben, das in der 21. Schwangerschaftswoche zur Welt kam. In Dortmund überlebte jüngst ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm. Das Kind war in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen.

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