Ärzte Zeitung online, 28.04.2011

Gürteltiere können Lepra auf Menschen übertragen

NEW YORK (dpa). Menschen können sich bei Gürteltieren mit Lepra anstecken. Das hat ein internationales Forscherteam nach eigenen Angaben nachgewiesen - mit Hilfe von DNA-Analysen.

Gürteltiere können Lepra auf Menschen übertragen

Das Gürteltier ist Träger des Lepra-Erregers Mycobacterium leprae - und auch Überträger.

© dpa

Dass Gürteltiere Träger des Lepra-Erregers Mycobacterium leprae sind, war bekannt. Bislang war aber nicht bewiesen, dass diese Tiere den Menschen mit Lepra infizieren können.

Die Forscher der polytechnischen Hochschule (EPFL) von Lausanne und der Staatlichen Universität von Louisiana (USA) untersuchten die Bakterien bei insgesamt 50 Erkrankten und 33 wild lebenden Gürteltieren im Süden der USA.

25 Erkrankte hatten USA nie verlassen

Die meisten Erkrankten, nämlich 28, hatten sich bei Reisen nach Europa, Brasilien und Asien infiziert: Denn in diesen Fällen konnte den Forschern zufolge der genetische Stempel von Stämmen des Lepra-Bakteriums nachgewiesen werden, die in den jeweiligen Ländern zu finden sind.

Doch bei 25 Erkrankten, die die USA nie verlassen hatten, entdeckten die Wissenschaftler einen speziellen Stamm des Lepra-Erregers, der auch bei 28 Gürteltieren in ihrer Region vorkam.

Da es sich um einen bisher noch unbekannten Stamm des Lepra-Bakteriums handelt, schließt das Forscherteam einen Irrtum aus.

Empfehlung: Kein häufiger Kontakt mit Gürteltieren

Ihr Ergebnis stellten die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine" (NEJM 2011; 364: 1626-33) vor.

Warum Gürteltiere für den Erreger empfänglich sind, steht nach Angaben des Teams nicht fest. Vermutet wird, dass sie wegen ihrer vergleichsweise niedrigen Körpertemperatur ideale "Brutkästen" für die wärmeempfindlichen Lepra-Bakterien sind.

Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, häufigen direkten Kontakt mit diesen Tieren zu meiden und vor allem ihr Fleisch nicht zu verzehren.

"Das Letzte, was wir möchten, ist Panik zu schüren und ein Abschlachten der Gürteltiere anzustacheln", sagte Professor Stewart Cole, Leiter der EPFL. Der beste Schutz davor, sich anzustecken, sei Vorsicht und Aufklärung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »