Ärzte Zeitung, 04.05.2011

Witzig, lehrreich, lecker: Sterne treffen Medizin

Witzig, lehrreich, lecker: Sterne treffen Medizin

Perfektes Team: Cornelia Poletto und Professor Andreas Fritsche demonstrieren und erklären, was gesunde Ernährung bedeutet.

© sbra

WIESBADEN (hub). Die DGIM hat diesmal neue Wege beschritten, den Kongressbesuchern das Thema gesunde Ernährung schmackhaft zu machen: Aus der Hamburger Sterneköchin Cornelia Poletto und dem Diabetologen Professor Andreas Fritsche vom Uniklinikum Tübingen wurde ein Tandem gebildet.

Erster Tipp von Poletto: "Kaufen sie regionale Produkte der Saison, da sind die Transportwege kurz, die Qualität ist hoch." Ergo: Vor den Augen von rund 400 Besuchern kochte Poletto ein Spargelrisotto. Mit etwas Minze - der besondere Pfiff. Beim Abgießen des Fonds ein Malheur: Die Schüssel läuft über, die beiden wischen gemeinsam. Poletto: "Das ist das Schöne am Kochen: Es verbindet."

Dass Übergewicht nicht per se schädlich ist, zeigte Fritsche anhand von MRT-Bildern. Menschen mit gleichem BMI hatten total unterschiedliche Körperfettprofile. Bei jenen mit primär subkutanem Fett sprach der Arzt von benigner Adipositas.

Bei jenen mit maligner Adipositas fand sich das Körperfett primär viszeral, in den Muskeln und in der Leber. Diese Menschen entwickeln eine Insulinresistenz. Fritsche: "Gewichtsverlust ist nicht alles." Die Schwelle sollte niedrig sein. "Denn schon fünf Kilo weniger können das viszerale Körperfett um ein Drittel reduzieren".

Zweites Gericht: In feine Streifen geschnittener, marinierter Lachs (Lachstagliatelle) mit Avocado und Römersalat. Poletto: "Kochen Sie spannend, etwas Cremiges, Zartes und etwas Bissfestes muss dabei sein. Und achten Sie auf die Präsentation, das Aussehen - denn das Auge isst ja mit."

Das ist tatsächlich so, sagte Fritsche und präsentierte erneut MRT-Daten. Sahen Probanden Fotos mit Blumen oder Essen, zeigten sich Aktivitäten im Gyrus fusiformis. "Dort ist das Belohnungszentrum, es werden aber auch nahrungsrelevante Informationen verarbeitet."

Erhielten die Probanden zuvor ein Insulin-Nasenspray - das Hormon wirkt so nur im ZNS - wurde die Aktivität im Gyrus fusiformis supprimiert. "Insulin wirkt im Gehirn also als natürliche Essbremse. Bei Übergewichtigen ist diese Rückkopplung allerdings gestört".

Fritsche hatte noch einen Tipp: Warnen Sie Ihre Patienten vor Diäten, die hohe Kosten verursachen, die schnellen Erfolg versprechen, die Vorher-/Nachherbilder zeigen oder den Namen ihres Erfinders tragen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »