Ärzte Zeitung online, 03.05.2011

Bei jungen Frauen: Viele Sexpartner, geringe Bildung

WEST POINT/DENVER (ths). Je weniger Sexualpartner eine junge Frau hat, desto besser fällt ihre Bildung aus. Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Dabei spiele keine Rolle, in welchem Alter das erste Mal stattgefunden habe, betonen die Wissenschaftler.

Bei jungen Frauen: Viele Sexpartner schaden der Bildung

Wechselnde Zweisamkeit und geringe Bildung: Laut US-Forschern lässt sich da ein Zusammenhang herstellen.

© dpa

3684 Frauen im Alter zwischen 22 und 24 Jahren wurden befragt, mit wie vielen Männern sie bereits Sex hatten. Die befragten Frauen sind allesamt Teilnehmerinnen an der US-Langzeitstudie National Longitudinal Study of Adolescent Health (Add Health). 91 Prozent der Interviewten gaben an, sexuell aktiv zu sein.

Professor Joseph J. Sabia von der United States Military Academy in West Point und Professor Daniel I. Rees von der University of Colorado in Denver verglichen die Angaben zum Sexleben mit dem Bildungsstand der Probandinnen. Sie fanden "beständige Beweise, dass eine hohe Zahl von Sexualpartnern sich schlicht negativ auf die schulischen Leistungen von jungen Frauen auswirken" (J Popul Econ 2011, online).

Frühe Schulabgängerinnen haben durchschnittlich 7,4 Liebhaber

So hatten die Frauen, die zehn Jahre oder weniger zur Schule gingen, im Durchschnitt mit 7,4 Männern geschlafen. Je länger die Befragten die Schulbank drückten, desto stärker nahm die Anzahl der Geschlechtspartner ab. Die Frauen mit mehr als 15-jähriger schulischer Ausbildung hatten durchschnittlich 5,3 Liebhaber.

Die Probandinnen, die die Highschool vorzeitig verlassen haben, waren im Durchschnitt mit 7,0 Männern intim. Hingegen hatten diejenigen mit einem Highschool-Abschluss nur mit 5,8 Männern geschlafen.

Die Collegestudentinnen sagten aus, im Schnitt mit 5,7 Männern im Bett gewesen zu sein. Die Frauen, die den Schritt auf das College nicht mehr wagten, hatten 6,4 Liebhaber.

Je weniger Sexualpartner, desto besser die Bildung

Für Joseph J. Sabia und Daniel I. Rees stellt sich somit folgende Schlussfolgerung dar: Je weniger Sexualpartner eine junge Frau hat, desto besser fällt ihre Bildung aus.

Warum das so ist, wissen die beiden Wissenschaftler nicht. Sie vermuten, dass es damit zusammenhängt, dass romantische Beziehungen zeitaufwendig sind und die Frauen emotional erheblich vereinnahmen.

Keine Rolle spiele es, in welchem Alter die Frauen zum ersten Mal Sex hatten, betonen die Forscher.

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[05.05.2011, 17:08:23]
Dr. Dorothea Böhm 
Instabilität von Beziehungen wird früh angelegt
Sexueller Experimentiereifer könnte einerseits ein Freiheitszeichen andererseits aber auch ein Symptom der Beziehungsinstabilität sein, die momentan in den westlichen Industrienationen unbeabsichtigt aber gleichwohl systematisch gefördert wird. Wie das? Durch die Art, wie wir unsere Kleinkinder erziehen: körperfern, unnatürlich selbständigkeitszentriert, verfrüht "outgesourct" in Betreuungseinrichtungen. Das wird uns zwar als "frühkindliche Bildung" verkauft und sogar einseitig subventioniert, aber es ist für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren erwiesenermaßen eher schädlich.
Krippenkinder, sowie diejenigen, die nicht außer- sondern innerhalb ihrer Familien vernachlässigt werden, geraten mitnichten unabhängiger und schlauer sondern werden impulsiver, aggressiver und stressanfälliger, zudem leidet die Fähigkeit zu Empathie und ausdauerndem "Commitment". Dass der Prozess schon längst läuft, lässt sich leicht in Zahlen ausdrücken: Zahl der Sexualpartner, Rate psychischer und psychosomatischer Erkrankungen, hohe Scheidungszahlen, abgesunkene Geburtenrate. zum Beitrag »
[04.05.2011, 20:30:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Was war zuerst: Henne oder Ei? Und wo, zum Teufel, ist eigentlich der Hahn abgeblieben?
Danke für die "bissige" und berechtigte Kritik von Frau Jungcurt und Herrn Weiser. Ein durchaus interessantes Thema wäre: Wo sind eigentlich die Männer bei diesen ganzen Untersuchungen mit fehlender "Sensitivität" und "Spezifität" geblieben? Und was war die Henne und was das Ei?

Ist es nicht viel mehr naheliegend, das im Umkehrschluss e r s t die bessere Bildung s e k u n d ä r dazu führt, dass w e n i g e r potientielle Sexualpartner in Frage kommen? Dass die Professoren Joseph J. Sabia und Daniel I. Rees in ihrer typisch männlichen Sichtweise schlicht und ergreifend Ursache und Wirkung verwechselt haben?

Ausgerechnet die West Point Militärakademie der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Soziologen Sabia und sein Kollege Rees aus Denver spekulieren dann von zeitaufwendigen "romantische Beziehungen ..., die Frauen emotional erheblich vereinnahmen". Da kann ich nur sagen: Hab Acht! Stillgestanden! Wegtreten!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Bergen aan Zee NL)
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[03.05.2011, 16:42:50]
Nina Jungcurt 
Umgekehrt vielleicht ein halber schuh...?
Ich stimme Dr. Weiser uneingeschränkt zu, möchte aber noch ergänzen... dass ich davon ausgehe, dass die Korrelation umgekehrt Sinn macht: je niedriger der Bildungsstand, desto mehr Sexualpartner. Und damit bringt diese, nun ja, "Studie" nichts Neues, sondern bestätigt Hinweise, die sich in soziologischen Studien seit Jahrzehnten finden... zum Beitrag »
[03.05.2011, 16:11:52]
PD Dr. Thomas Weiser 
Klapperstörche und Geburtenrückgang
Schon wieder eine von DIESEN epidemiologischen Studien...

Man nehme:
-zwei Eigenschaften (Bildung, sexuelle Aktivität),
-schaut nach, ob da was korrelieren könnte,
-findet etwas (das läßt sich kaum vermeiden),
-sondert Schlußfolgerungen ab ("Sex macht blöd"),
-und konstruiert nachträglich ein mögliche Erklärung.

Wie schade, dass es immer mehr von "wissenschaftlichen" Arbeiten nach diesem Muster gibt. zum Beitrag »

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