Ärzte Zeitung, 17.05.2011

Neue Perspektiven für die Hochschulmedizin

Über den Verkauf des Uniklinikums Gießen-Marburg an den Klinikkonzern Rhön wird auch nach Jahren noch diskutiert. Ein Ergebnis der Privatisierung ist die Einrichtung einer der größten Medizinstiftungen. Die Von Behring-Röntgen-Stiftung setzt sich für exzellente Forschung ein.

Von Gesa Cordes

Neue Perspektiven für die Hochschulmedizin

Die Von Behring-Röntgen-Stiftung ist ein "Außenbordmotor der Wissenschaftsentwicklung": Stiftungs-Präsident Joachim-Felix Leonhard.

© Coordes

MARBURG. Sie ist eine der größten Medizinstiftungen in Deutschland. Die Von Behring-Röntgen-Stiftung hat ein Grundkapital von 100 Millionen Euro.

Sie residiert da, wo einst die Landgrafen Hessens wohnten - im Südwestflügel des Marburger Schlosses. Und ihr Präsident ist der frühere Staatssekretär Joachim-Felix Leonhard.

Der 64-jährige Historiker war bis zum Start der Stiftung der "starke Mann" bei den Verhandlungen um die Fusion und die Privatisierung der Universitätskliniken Gießen und Marburg. Trotz der anhaltenden Kritik in Marburg ist er sehr zufrieden mit der Entwicklung der Großkrankenhäuser.

100 Millionen Euro gingen an die Stiftung

Das Land habe kein Geld für die gewaltigen Investitionen gehabt, die Rhön jetzt stemme. Durch die frei werdenden Kliniken könne der Campus Firmanei gebaut werden: "Für die Stadt ist das eine Riesenchance", sagt er. Und die Stiftung bezeichnet er als "Außenbordmotor der Wissenschaftsentwicklung".

Die gemeinnützige Einrichtung ist ein Ergebnis der Privatisierung. Sie wurde 2006 aus dem Verkaufserlös der Uni-Kliniken eingerichtet, für die das Land 112 Millionen Euro erhielt. 100 Millionen Euro gingen an die Stiftung, die damit neue Perspektiven für die Hochschulmedizin in Gießen und Marburg sichern soll.

Leonhard, der als parteiloser Seiteneinsteiger in die Politik gegangen war, wechselte daraufhin an die Spitze der Stiftung. Sie wurde ebenso wie das geplante Partikeltherapiezentrum in Marburg angesiedelt, weil der Hauptsitz des fusionierten Universitäts-Klinikums nach Gießen kam.

7,6 Millionen Euro in drei Jahren ausgeschüttet

Allein in den vergangenen drei Jahren hat die Von Behring-Röntgen-Stiftung 7,6 Millionen Euro ausgeschüttet - die Zinserträge aus dem Grundkapital - und mehr als 40 Projekte auf den Weg gebracht.

Davon profitiert haben vor allem junge Wissenschaftler, für die es auch Nachwuchspreise gibt: "Wir wollen innovative Projekte und interessante, neue Ideen fördern", erklärt Leonhard. Bevorzugt werden dabei Gemeinschaftsprojekte der beiden medizinischen Fachbereiche. Häufig sei die Förderung eine Initialzündung für größere Vorhaben.

Die Empfehlungen für die Projekte spricht ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat aus.

Drei Beispiele: Wissenschaftler aus Marburg, Gießen und München forschen über Möglichkeiten der Vorbeugung von Allergien bei Kindern. Dabei geht es um die Frage, wie Kuhmilch zur Prävention genutzt werden kann.

Hessisches Projekt zu Netzhauterkrankungen gefördert

Mit 136.000 Euro wird ein mittelhessisches Projekt zu Netzhauterkrankungen gefördert. Dabei wird eine Software entwickelt, mit der krankhafte Veränderungen der Netzhaut besser dargestellt und bewertet werden können. Die Patientenbehandlung wird damit deutlich vereinfacht.

Menschen mit Depressionen sind das Thema von Marburger Forschern, deren Projekt mit 165.000 Euro unterstützt wird. Sie untersuchen, inwieweit die Fähigkeit Freude zu empfinden, durch gezielte psychotherapeutische Interventionen - zum Beispiel Trainings - beeinflusst werden kann.

Damit sollen Techniken entwickelt werden, mit denen die Patienten ihre Stimmung selbstständig aufhellen können.

Vergeben werden zudem Großstipendien für Professoren. Auch für Studierende gibt es in Zukunft Unterstützung: Um gute Mediziner schon früh zu gewinnen, sind Stipendien für die Abiturbesten eines Jahrgangs geplant - sofern sie in Marburg oder Gießen studieren.

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