Ärzte Zeitung online, 05.05.2011
Ohren sollen Rollstuhl steuern
GÖTTINGEN (eb/dpa). Wissenschaftler aus Göttingen, Heidelberg und Karlsruhe erforschen nach eigener Aussage einen neuen Ansatz für die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Ihr Ziel: Menschen, die weder Arme noch Beine bewegen können, sollen technische Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder eine Prothese künftig mithilfe der Ohrmuskulatur steuern.
Wie die Universitätsmedizin Göttingen am Donnerstag (5. Mai) mitteilte, entwickeln Göttinger Neurologen zusammen mit Kollegen aus Heidelberg und Karlsruhe ein sogenanntes telemetrisches myoelektrisches Ohrmuskelableitsystem (Telmyos).
Dieses sieht vor, dass ein kleiner Chip hinter dem Ohr Muskelsignale aufzeichnet und diese per Funk an einen Empfänger überträgt, der dann die Geräte steuert.
Ohrmuskulatur kann trainiert werden
Manche Menschen können von Natur aus mit den Ohren wackeln. Alle anderen können nach Erkenntnissen der Göttinger Neurologen durch gezieltes Training ebenfalls lernen, die Ohrmuskulatur willentlich zu aktivieren.
Weil bei jeder Muskelaktivierung auf natürliche Weise elektrische Signale entstehen, kamen die Forscher auf die Idee, die Ohrmuskeln gezielt zu nutzen: Sie könnten die nötige Energie liefern, um technische Hilfsmittel zu steuern.
Die Wissenschaftler wollen jetzt eine Apparatur bauen, mit der sich die elektrischen Signale ableiten und weiterverarbeiten lassen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit mehr als 800.000 Euro.

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