Ärzte Zeitung online, 06.05.2011

Dresden feiert den Odol-Erfinder

Sein Bestreben galt der Aufklärung über Bedeutung und Gefährdung der Gesundheit. Er initiierte eine Weltausstellung der Hygiene, gründete ein Serumwerk und schuf ein Nationalmuseum. Im Jubiläumsjahr nun feiert Dresden den Odol-Erfinder Lingner.

Von Simona Block

Dresden feiert den Odol-Erfinder

Deutsches Hygiene-Museum in Dresden: Mit einem Jubiläumsjahr ehrt die Stadt den Odol-Erfinder Lingner.

© dpa

DRESDEN. Er gründete eine Hygiene-Weltausstellung, ein Institut für Bakteriotherapie und das Nationalmuseum zur Gesundheit. 2011 ehrt Dresden den Odol-Erfinder Karl August Lingner (1861-1916) und sein Wirken für die Gesundheitsaufklärung mit einem Lingner-Jahr.

Gefeiert werden sein 150. Geburtstag sowie die 100-jährigen Jubiläen der ersten Hygiene-Ausstellung und des Sächsischen Serumwerkes.

Rund 5,5 Millionen Besucher strömten 1911 in die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden, die eine Fläche von 320.000 Quadratmetern hatte.

"Es war eine Präsentation ganz in der Tradition der Weltausstellungen seit 1855", sagte der Direktor des Deutschen Hygiene-Museums, Klaus Vogel, am Freitag vor einer Festveranstaltung.

Von Bakteriologie über Hygiene zu Odol

Im Zentrum habe die populäre Abteilung "Der Mensch" gestanden. "Dort wurde zu Themen wie Ernährung, Berufshygiene, Kleidung, Körperpflege und Volkskrankheiten informiert."

Lingner habe sich als Produzent seines Mundwassers "Odol" über Jahre mit Bakteriologie und Hygiene beschäftigt und die Unkenntnis der Bevölkerung über Entstehung und Verbreitung von Krankheiten erkannt.

Er investierte viel Geld in die hygienische Volksbelehrung. "Er stattete die Weltausstellung mit leichtverständlichen Bildtafeln, natürlichen Präparaten, bedienbaren Apparaten, wirklichkeitsgetreuen Wachs- und anatomischen Modellen aus, die das Verständnis für Jedermann erleichterten."

Ihre Erbschaft - Erfahrungen, Exponate, Methodik - und eine Million Mark Erlös bildeten die Basis für das Hygienemuseum, das aber erst 1930 eröffnet wurde.

Unter dem "wachenden Auge" in der Tradition Lingners

Nach einer Denkschrift von 1912 sollte das "Gesundheitsmuseum" als Stätte der Belehrung der Bevölkerung Gelegenheit schaffen, "durch eigene Erkenntnis ihren Gesundheitszustand zu erhalten und zu fördern".

Nach Missbrauch für Propaganda und Verbreitung der faschistischen Rassenideologie, der Zerstörung 1945 und Nutzung für die staatliche Gesundheitserziehung in der DDR fungiert es seit 1991 als "Museum vom Menschen" - und sieht sich ganz in der Tradition von Lingner und der Hygiene-Ausstellung.

"Er ist uns bis heute Vorbild", sagte Vogel. Das damals von Franz von Stuck entworfene "wachende Auge" des Ausstellungsplakats ziert das Logo des Museums.

Das 1911 gegründete Sächsische Serumwerk, heute gehört es zu GlaxoSmithKline, schenkt der Stadt zum Jubiläum einen Spazierweg entlang mit Lingner in Verbindung stehender Orte.

Im Lingnerschloss, dass der Mäzen der Stadt vererbte, wurde eine Dauerausstellung eingerichtet und Ende Juni soll der restaurierte Chinesische Pavillon öffnen.

Lingner hatte 1911 auch die kaiserliche chinesische Regierung gewonnen, sich mit einem Staatspavillon auf seiner Ausstellung zu präsentieren. "Der Begriff Hygiene war damals Sinnbild für einen modernen Lebensstil - heute würde man Lifestyle oder Art of Living sagen", sagte Vogel. (dpa)

www.lingnerjahr.de

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