Ärzte Zeitung online, 16.05.2011

Lebensmittel: Das große Wegwerfen

DÜSSELDORF (dpa). Ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel wird verschwendet oder geht verloren. Das ist das Ergebnis einer von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Auftrag gegebenen Studie.

Sie wurde am Montag in Düsseldorf anlässlich des Kongresses "Save Food" vorgestellt. Demnach verschwendet in Europa und Nordamerika jeder Mensch durchschnittlich bis zu 115 Kilogramm Lebensmittel im Jahr. In ärmeren Regionen wie Südostasien oder Afrika sind es bis zu elf Kilogramm.

Bei dem Kongress am Montag und Dienstag in Düsseldorf wollen sich Experten über das Problem der globalen Nahrungsmittelverluste austauschen. Erwartet werden unter anderem Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) und Umweltexperte Klaus Töpfer.

"Übertriebene Vorsicht führt zu großer Verschwendung"

Während die Rohstoffe in den Entwicklungsländern hauptsächlich beim Transport zwischen Ernte und Verkauf verloren gehen, sind in den wohlhabenden Regionen der Welt überwiegend Händler und Konsumenten dafür verantwortlich, dass viele Lebensmittel auf dem Müll landen.

Häufig führten dort "mangelnde Einkaufsplanung oder übertriebene Vorsicht bei Haltbarkeitsdaten zu großer Verschwendung", heißt es in der Studie. Viele Lebensmittel würden weggeworfen, weil sie in Form und Aussehen nicht der erwarteten Norm entsprächen.

Der Kongress Save Food, ein Gemeinschaftsprojekt der FAO und der Messe Düsseldorf, ist in die Düsseldorfer Verpackungsmesse Interpack integriert.

[17.05.2011, 12:37:51]
Dr. Horst Grünwoldt 
Save the food
Es ist natürlich erschreckend, wenn ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel, -trotz globaler Mangelernährungs- und Hunger-Regionen-, weltweit verloren gehen. Dabei ist bekannt, daß in den Ländern der sog. Dritten Welt die Lebensmittel vor allem dem Fraß von tierischen Schädlingen (Insekten und Nagern) sowie den mangelnden Koservierungs-Methoden unter hohen Lagertemperaturen zum Opfer fallen. Dagegen findet in den technisch entwickelten Ländern neben der (dekadenten) Vernichtung von Überschüssen zur Preisstabilisierung, vor allem die Verschwendung durch den unaufgeklärten Verbraucher statt.
Im Gegensatz zu Arzneimitteln haben verpackte Lebensmittel gar kein "Verbrauchs-Datum", sondern lediglich eine ausgezeichnete Mindesthaltbarkeit (MHD). Diese wird durch den Hersteller/Verpacker festgelegt und dient nicht nur der Umsatzsteigerung, sondern entläßt den Produzenten auch aus seiner Haftung nach Ablauf des jeweiligen Datums unter eingehaltenen Aufbewahrungs-Bedingungen.
Der Verkäufer oder Marktleiter wird i.d. Regel die sog. "abgelaufene" Ware grobsinnlich prüfen (Geruch, Farbe, Konsistenz) und in den allermeisten Fällen feststellen, daß sie kein Verderbnis aufweist und noch ohne Schaden für den Konsumenten gegessen werden kann. Er ist verpflichtet, sie regelmäßig aus dem Regal zu sortieren, preislich zu reduzieren und macht sie deutlich als "Sonderangebot" zum baldigen Verbrauch sichtbar.
Für den Verbraucher sind dies fast immer wahre "Schnäppchen" von kaum geminderter Qualität, weil schon der Produzent in seinen labormäßigen Lagerungs-Versuchen zur Gewährleistung der Lebensmittel-Sicherheit einen zeitlichen Spielraum nach oben bei der Festlegung der MHD (Mindesthaltbarkeit) eingeplant hat. Dies dient ihm selbst natürlich auch der Vermeidung von sog. "Lebensmittel-Skandalen".
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (VOR a.D.) aus Rostock (früher Frankfurt am Main) zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »