Ärzte Zeitung online, 17.05.2011

Auch die alten Ägypter litten an Arterienverkalkung

AMSTERDAM (dpa). Fitnesstraining und eine weniger kalorienreiche Kost hätten das Leben der vor rund 3500 Jahren gestorbenen ägyptischen Prinzessin Ahmose-Meritamun möglicherweise deutlich verlängert.

Auch die alten Ägypter litten an Arterienverkalkung

Die Tochter von Pharao Seqenenre Tao II. litt an Gefäßverkalkung und starb mit Mitte 40 vermutlich nach einem Herzinfarkt infolge einer Arterienverstopfung.

Die Prinzessin war damit keine Ausnahme: Arterienverkalkung stellten amerikanische und ägyptische Forscher bei rund der Hälfte von 52 Mumien fest, die sie im Ägyptischen Museum in Kairo mit Hilfe von Computertomografien untersuchten (Eur Heart J Suppl 2011; 13: A6).

Älteste nachgewiesene Herzkrankheit

Die Mumie der Pharaonentochter gilt als Beweis für die bislang älteste nachgewiesene Herzkrankheit.

Aufnahmen der Herzkranzarterien der Prinzessin präsentierten die Forscher jetzt auf der 10. Internationalen Konferenz für Herz- und Gefäßdiagnostik in Amsterdam (ICNC).

"Es ist schon bemerkenswert, wie viele Fälle von Atherosklerose wir dabei entdeckt haben", sagte Dr. Gregory S. Thomas, Direktor der Abteilung Nuclear Cardiology Education an der University of California, einer der Co-Autoren der Studie.

"Wir dachten an Arterienverkalkung als eine Krankheit des modernen Lebensstils, aber es ist klar, dass sie schon vor 3500 Jahren existierte."

Wie hat die Prinzessin gelebt?

Mögliche Ursachen der bei der Pharaonentochter diagnostizierten Verkalkung sehen die Wissenschaftler in der Ernährung. Die um 1580 vor Christus in einem Tempel beigesetzte Frau habe zur Elite gehört, die sich täglich kalorienreiche Kost, vor allem Fleisch, leisten konnte.

Zudem habe sie sich vermutlich weniger stark bewegen und körperlich betätigen müssen als der ägyptische Durchschnittsmensch.

Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Prinzessin sich beim Schlemmen zurückhielt und körperlich durchaus aktiv war, räumten Thomas und Dr. Adel Allam ein, der ägyptische Co-Autor von der Al Azhar University in Kairo.

Viele Ursachen denkbar

Es könnten vor Jahrtausenden - ebenso wie heute - bislang nicht erforschte Risikofaktoren bei der Entstehung von Atherosklerose eine Rolle gespielt haben.

Denkbar wären unter anderem entzündliche Prozesse, die durch Parasiten ausgelöst wurden, deren Spuren häufig in ägyptischen Mumien nachgewiesen worden seien. Auch eine genetische Veranlagung zur Fettansammlung in den Gefäßen könne eine Rolle gespielt haben.

In jedem Fall hätte man das Leben der Prinzessin heutzutage durch einen zweifachen Bypass zur Überbrückung der verengten Herzkranzgefäße verlängern können, so die Wissenschaftler.

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