Ärzte Zeitung online, 22.05.2011

Studie: Kinder trinken zu wenig und naschen zu viel

Kinder zwischen ein und drei Jahren ernähren sich einer Studie zufolge nicht so, wie es ihrer Gesundheit zuträglich wäre. Dabei bestehen gerade in dieser Zeit gute Chancen, ihre Essgewohnheiten zu steuern.

Von Angela Speth

Studie: Kinder trinken zu wenig und naschen zu viel

Zu viel Süßes, zu wenig Gemüse - Kinder übernehmen das Essverhalten ihrer Eltern.

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DORTMUND. Kleinkinder naschen zu viel Süßes, essen zu viel Fleisch und Wurst, trinken aber zu wenig. Ergeben hat das die GRETA-Studie (German Representive Study of Toddler Alimentation).

Statt 0,6 bis 0,7 Liter pro Tag, bringen es Kleinkinder nur auf 0,4 Liter Flüssigkeit. Dafür aber liegen sie mit 50 Gramm Süßigkeiten täglich deutlich über der ratsamen Menge von 25 bis 30 Gramm. Besonders Kinder ab zwei Jahren schlagen dabei über die Stränge. Gemüse und Vollkornprodukte kommen dagegen zu kurz.

Diese Bilanz ziehen Wissenschaftler vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund und von TNS Healthcare. Gefördert vom Unternehmen Alete, hatten sie in 525 repräsentativ ausgesuchten Haushalten Fragebögen ausfüllen und die Mahlzeiten protokollieren lassen. Damit erhoben sie die Nahrungsvorlieben von Kindern zwischen ein und drei Jahren.

Im Kleinkindalter bilden sich Ernährungsgewohnheiten heraus

Wenig überraschend war die Erkenntnis, dass Kinder in Familien höherer Bildungsschichten tendenziell besser abschneiden. Das liege unter anderem an der Wahl frischer Lebensmittel, so Dr. Annett Hilbig in einer Mitteilung.

Gerade im Kleinkindalter bildeten sich die Ernährungsgewohnheiten heraus, die einmal falsch eingeübt, langfristig der Gesundheit abträglich seien, erläuterte die Ernährungsexpertin: "Beim Übergang vom Brei zum Familienessen übernehmen die Kinder das Essverhalten der Erwachsenen. Danach ändert sich die Ernährung kaum noch."

Bei diesem Wechsel haben Eltern also die besten Chancen, die Wahl ihrer Kinder zu steuern. Dabei sei auffällig, dass Kinder häufig auch nach der Umstellung noch Brei essen, bis zum dritten Lebensjahr. "Entweder essen sie ihn gerne, oder bei den Eltern herrscht ein Sicherheitsdenken, dass sie mit Brei nichts falsch machen", vermutet Hilbig.

Eltern sollten hartnäckig bleiben

Mögen Kinder gesunde Kost nicht, sollten Eltern hartnäckig bleiben. Die Neophobie, die Angst bei Kleinkindern vor Neuem, lasse sich mit kleinen Portionen und beharrlichem Anbieten überwinden. Ungesundes dagegen sollten Eltern nur einschränkt erlauben, aber nicht ganz verbieten. Gegen Pommes, Limonade oder Süßes sei nichts einzuwenden, wenn es etwas Besonderes bleibe.

Verbindliche Regeln zur Ernährung von Kleinkindern gibt es nicht. Das FKE empfiehlt eine "optimierte Mischkost": viel pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis sowie viel Wasser, ungesüßten Tee oder stark verdünnte Schorlen. Milch, Milchprodukte, Eier, mageres Fleisch, Wurst und Fisch sollten Kleinkinder mäßig verzehren.

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