Ärzte Zeitung, 08.06.2011

Ein Sportler-Festival voller Lebensfreude

Es ist die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art: Menschen mit Down- Syndrom kämpfen bei einem Sportlerfestival in Frankfurt am Main um die Medaillen.

Von Pete Smith

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Der Einzug der Sportler beim Deutschen Down-Festival: In vielen Disziplinen ging es um Medaillen, sogar das Golfspielen stand in diesem Jahr auf dem Programm.

© Smith

FRANKFURT/MAIN. Mit einer Rekordbeteiligung von 555 Athleten, 2320 Zuschauern und 300 ehrenamtlichen Helfern fand in Frankfurt am Main das 9. Deutsche Down-Sportlerfestival statt. Es ist die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art, die auch in diesem Jahr wieder von vielen Prominenten unterstützt wurde.

"Ich bin topfit", verkündete Bobby Brederlow, Pate und Schirmherr des Deutschen Down-Sportlerfestivals, bevor er das blaue Band durchschnitt und damit die Veranstaltung offiziell eröffnete.

Zwar plagen ihn seit Wochen Knieprobleme, aber das hinderte den Schauspieler und Bambi-Preisträger, der in diesem Jahr 50 wird, nicht daran, den ganzen Tag über seinen Repräsentationspflichten nachzukommen. Als Promi mit Down-Syndrom ist Bobby für die meisten Teilnehmer des Festivals ein leuchtendes Vorbild.

Als die Sängerin Julia Haase im Anschluss an den Einzug der Athleten die deutsche Nationalhymne anstimmte, standen manch einem Zuschauer Tränen in den Augen. Es sind Momente wie dieser, die das Down-Sportlerfestival zu den "emotionalen Fixpunkten des Jahres" machen, wie Hermann Hofmann, Leiter der Sparte Unternehmenskommunikation der Hexal AG in Holzkirchen, formulierte.

Der größte Generikahersteller in Deutschland unterstützt das Down-Sportlerfestival schon von Beginn an und wird, wie Hofmann verkündete, auch bei der Jubiläumsveranstaltung im kommenden Jahr mit im Boot sitzen. Möglicherweise wird man dann vom Sportzentrum Kalbach in ein größeres Stadion umziehen müssen, was die Stadt, so versprach Sportdezernent Markus Frank, sicher auch möglich machen würde: "Schließlich ist das Down-Sportlerfestival für Frankfurt ein Highlight im Sportkalender."

Laufdisziplinen von 25 bis 1000 Meter, Weitsprung, Tischtennis, Weitwurf, Beach-Volleyball, Judo, Fußball und sogar Golfspielen standen beim 9. Down-Sportlerfestival auf dem Programm. Jeder Wettbewerb wurde vom Jubel der Zuschauer begleitet, die mit Moderator Fabian Kelly zuvor die Stadionwelle La Ola eingeübt hatten.

Unter den Klängen von "We are the Champions" erhielten am Ende nicht nur die Sieger, sondern auch die Zweiten und Dritten und Vierten eine Medaille.

Dazu gab es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Ihr musikalisches und tänzerisches Talent konnten die Teilnehmer des Festivals beispielsweise im Tanz-Workshop "Wir rocken das Down-Festival" und im Musical-Workshop "Tarzan" unter Beweis stellen. Auf dem Außengelände bestand die Möglichkeit zu reiten, Fahrrad zu fahren, sich schminken zu lassen oder Therapiehunde zu streicheln.

Erstmals boten die Veranstalter eine Modenschau für Menschen mit Down-Syndrom an. Modelscout Peyman Amin, bekannt aus der TV-Castingshow "Germany's next Topmodel", hatte etliche Outfits mitgebracht, aus denen sich die 20 Teilnehmer der Show ihr Lieblingsdress aussuchen durften.

"Dieses Festival fördert den Zusammenhalt", so Amin, "nicht nur in den betroffenen Familien." Sein älterer Bruder Omid hat selbst das Down-Syndrom. "Von ihm habe ich viel gelernt", sagte der Modellagent, "vor allem die Lebensfreude".

Auch andere Prominente verliehen dem Festival durch ihre Anwesenheit zusätzlichen Glanz. Allen voran Joachim Hermann Luger, der Vater Beimer aus der "Lindenstraße", der beinahe von Anfang an dabei ist. Er spüre jedes Mal wieder eine "unglaubliche Welle von Sympathie", sagte Luger und nannte die Teilnehmer des Festivals eine "große Familie".

Die verletzte Hochspringerin Ariane Friedrich war gar im Rollstuhl nach Frankfurt gekommen. "Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, jemanden zu enttäuschen."

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