Ärzte Zeitung online, 08.06.2011

Vulkanausbruch wirft Leben in Südamerika durcheinander

Der Vulkan-Komplex Puyehue-Cordón Caulle im Süden Chiles stößt seit Tagen Lava und Asche aus. Ein Naturschauspiel von grandioser Schönheit. Aber für die Menschen im südlichen Südamerika sind die Folgen eine rechte Plage.

Von Jan-Uwe Ronneburger

Vulkanausbruch wirft Leben in Südamerika durcheinander

Schönes Schauspiel, aber mit schlimmen Folgen für die Menschen: Der Ausbruch des Vulkans im Süden von Chile.

© dpa

BUENOS AIRES/SANTIAGO DE CHILE. Die Vulkan-Bilder aus dem Süden Chiles sind atemberaubend. Wie ein riesiger, mattbrauner Pilz steht die zehn Kilometer hohe Aschewolke über den Anden, in der Abendsonne schimmert sie rotorange, nachts flackern irre Blitze durch die schwarze Wolke.

Eine "Hölle auf Erden", schrieb eine Zeitung, aber eine schaurig-schöne. Für viele Menschen im Süden Chiles und vor allem im benachbarten Argentinien aber ist der Ausbruch im Vulkan-Komplex Puyehue-Cordón Caulle vor allem eine Heimsuchung.

"Ich bin aus Buenos Aires hierher gezogen, um dem Moloch Buenos Aires zu entkommen. Aber hier ist alles teuer, voller Touristen und nun auch noch der Scheiß-Vulkan", twitterte ein Großstadtflüchtling.

Eine teilweise mehrere Zentimeter dicke Ascheschicht bedeckte vor allem weite Teile der grenznahen Regionen im Nachbarland Argentinien.

Menschen wird geraten, in den Häusern zu bleiben

Das beliebte Touristenziel Bariloche mit 150.000 Einwohnern glich auf den ersten Blick einem Wintermärchen. Allerdings hatte sich nicht Schnee, sondern graue Asche auf Häuser, Pflanzen und Straßen gelegt.

Auf Touristen, die im Winter der Südhalbkugel in das Skigebiet gereist waren, muss die Asche-Pracht wie ein schlechter Scherz der Natur gewirkt haben.

Die Behörden riefen die Bürger auf, möglichst ihre Häuser nicht zu verlassen. Wenn dies doch nötig sei, sollten sie Masken oder zumindest feuchte Tücher vor Nase und Mund binden, die Augen notfalls mit Schwimmbrillen schützen.

Hamsterkäufe ließen Mineralwasser und andere Lebensmittel mancherorts schnell zur Neige gehen.

Als es dann am Montag zu regnen begann, vermischte sich das Wasser mit der Asche zu einem Schlamm, auf dem Autos wie auf Glatteis ins Schleudern kamen.

Kurzschlüsse im oberirdischen Leitungsnetz unterbrachen stundenlang die Stromversorgung. Schulen und die meisten Behörden blieben geschlossen.

Flugverkehr kommt zum Erliegen

Weitgehend zum Erliegen kam auch der Flugverkehr in großen Teilen des südlichen Südamerikas. Die Flughäfen der 1600 Kilometer nordöstlich vom Vulkan gelegenen Millionenmetropole Buenos Aires mussten am Montag stundenlang wegen Vulkanasche in der Luft geschlossen werden.

Auch Flüge von Brasilien nach Paraguay und zwischen Argentinien, Uruguay und Chile fielen aus.

Zehntausende Passagiere saßen auf Flughäfen fest. Darunter im brasilianischen Sao Paulo auch die B-Auswahl der argentinischen Fußballnationalelf mit Nationaltrainer Sergio Batista.

Ihre Lufthansa-Maschine aus Frankfurt war in Brasilien gelandet, da Buenos Aires gesperrt war.

Rund 4000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden

Am schlimmsten aber sind die Auswirkungen wohl für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Vulkans lebten. Zwar ist die Region Los Ríos in Chile äußerst dünn besiedelt, aber dennoch mussten etwa 4000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Viele von ihnen sind Bauern, deren Vieh besonders zu leiden hat. Im Fernsehen waren Bilder von Rindern zu sehen, die in einer von Asche bedeckten, bizarren Landschaft nichts mehr zu fressen fanden.

Für die geplagten Menschen hatte es am Montag erstmals wieder einen Hoffnungsschimmer gegeben. Die Behörden in Chile berichteten von einem langsamen Abklingen der Vulkantätigkeit. Auch der Flugbetrieb begann sich zu normalisieren.

Und besonders erleichtert dürften die Menschen die Mitteilung der Gesundheitsbehörden aufgenommen haben, dass die Asche und austretende Gase nicht giftig seien, sondern höchstens "Irritationen" der Atemwege und der Augen auslösen könnten.

Keiner aber kann sagen, wie lange der Vulkan noch Asche in die Luft schleudern wird. (dpa)

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