Ärzte Zeitung, 16.06.2011

Auf dem Reiterhof tanken krebskranke Kinder neue Kraft

Auf einem Reiterhof in der hessischen Provinz leben sie richtig auf und schöpfen neuen Mut: Kinder aus dem Großraum Köln-Bonn, die an Krebs erkrankt sind.

Von Christoph Fuhr

Wo krebskranke Kinder neue Kraft tanken

Intensiver, vertrauensvoller Kontakt mit dem Pferd - die Kinder genießen jeden Augenblick mit den Vierbeinern.

© Fuhr

GROßALMERODE. Noch vor wenigen Wochen hat er sich einer Chemotherapie unterzogen. Jetzt liegt der Zehnjährige auf einem Pferd, das langsam im Kreis trabt. Er wirkt vollkommen entspannt, genießt den Körperkontakt, hat Vertrauen aufgebaut. Meine Güte, scheint er zu denken, das Leben kann richtig schön sein!

Der Reiterhof Hirschberg im hessischen Großalmerode: 16 krebskranke Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus dem Großraum Köln-Bonn haben hier in der vergangenen Woche zum Teil mit ihren Geschwistern spannende Tage verbracht.

Ein Dorado für Stadtkinder

Wieder einmal hatten der Förderkreis für Tumor- und leukämieerkrankte Kinder in Bonn und der Kölner Förderverein für krebskranke Kinder zum Urlaub auf dem Reiterhof eingeladen. Dort gibt es Katzen, Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen und jede Menge Ponys und Pferde - ein echtes Dorado für Stadtkinder.

Sozialarbeiter Matthias Vogt ist seit vielen Jahren bei der Freizeit als Begleiter mit dabei. Er hat in dieser Zeit einschlägige Erfahrungen gemacht - auch mit Problemen, die bewältigt werden müssen, bevor die Tour überhaupt beginnt. Die harte Zeit der Therapie führe dazu, dass die krebskranken Kinder sich extrem eng an ihre Eltern binden, erläutert er. Auf die Chance, sich für eine Woche von zu Hause zu lösen, reagieren Betroffene dann extrem unterschiedlich. "Wir erleben, dass es zum Beispiel Zwölfjährigen sehr schwer fällt, sich auf das Pferdehof-Angebot einzulassen - weil die Sorgen vor der Trennung von den Eltern zu groß sind", sagt Vogt. "Und wir erleben Sechsjährige, die locker und gelassen ins hessische Reiter-Dorado aufbrechen mit dem Signal ,Ich bin dann mal weg!‘"

Den Eltern und Kindern entstehen keine Kosten, die Reiterferien werden seit über 15 Jahren vom Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal unterstützt. Für die Betreuung zuständig ist ein Team mit Krankenschwestern, Erziehern und Sozialarbeitern. Die medizinische Versorgung ist gewährleistet, das gibt besorgten Eltern Sicherheit.

Gemeinsame Erlebnisse geben Kraft

Jeden Tag geht auf dem Hof die Post neu ab. Die Kinder erhalten Reitunterricht, sie dürfen die Tiere bürsten und verwöhnen, machen gemeinsam Ausritte, Kutschfahrten oder voltigieren. "Der Umgang mit den Tieren stabilisiert - und die Erlebnisse geben Kraft", erläutert Vogt.

Die vielen Pferde, neue Freunde, das tolle Programm - die Kinder bringen schnell auf den Punkt, was ihnen richtig gut gefällt im Reitercamp.

Ein Junge hat Pferdeäpfel auf einer Gerte aufgespießt und läuft damit übers Gelände. Ein anderer will seine Einschätzung zum Camp noch einmal präzisieren: "Mir gefällt, dass ich hier überall pupsen kann und niemand stört sich dran", sagt er und grinst dabei so schelmisch, wie ein Lausbub eben grinst, wenn er etwas vermeintlich Verbotenes gesagt hat.

Sie haben schwere Zeiten hinter sich, die Kinder aus NRW. Jetzt, so scheint es, sind sie wieder dort angekommen, wo sie auch hingehören - mitten im Leben.

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