Ärzte Zeitung online, 16.06.2011

Al-Sawahiri ist neuer Anführer von Al-Kaida

Osama bin Ladens Nachfolger als Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida ist Eiman Al-Sawahiri. Der Ägypter ist Sohn eines Medizinprofessors und arbeitete drei Jahre als Chirurg. Er soll so radikal sein, wie es sein Vorgänger war.

Al-Sawahiri ist neuer Anführer von Al-Kaida

Eiman Al-Sawahiri rückt bei Al-Kaida zur Nummer eins auf.

© dpa

ISTANBUL (eb/dpa). Al-Kaida hat einen neuen Anführer. Der Arzt Eiman Al-Sawahiri, der einer angesehenen Kairoer Familie entstammt, rückt an die Spitze des Terrornetzwerks.

Das geht aus einer Botschaft hervor, die am Donnerstag auf einer einschlägigen Islamisten-Website im Internet veröffentlicht wurde.

Darin heißt es, das "Generalkommando" von Al-Kaida habe nach ausführlichen Debatten beschlossen, dass Al-Sawahiri der Nachfolger Bin Ladens werden solle.

Vater war Medizinprofessor

Eiman Al-Sawahiri, der am kommenden Sonntag 60 Jahre alt wird, stammt aus bürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater war Medizinprofessor. Der Islam spielte in seiner Erziehung eine wichtige Rolle.

Frühere Mitschüler berichten, er sei als Kind ein Einzelgänger gewesen und im Klassenzimmer durch seine Intelligenz aufgefallen. Vor allem im Arabischen und im Englischen sei er stets der Klassenbeste gewesen.

Medizin-Studium in Kairo

Al-Sawahiri studierte nach der Schule Medizin in Kairo. 1974 schloss er sein Studium ab und arbeitete anschließend drei Jahre lang als Chirurg in der ägyptischen Armee. Danach war er in einem Kairoer Krankenhaus tätig.

Doch seine Begeisterung für den politischen Islam, der ihn schon als Jugendlicher in die Arme der Muslimbruderschaft getrieben hatte, ließ nicht nach. Um 1973 soll er sich der ägyptischen Terrororganisation Dschihad angeschlossen haben.

1981 verhaftet

1981 wurde er als Terrorverdächtiger inhaftiert. Ein Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft wegen illegalen Waffenbesitzes. Eine Beteiligung an dem Attentat auf Präsident Anwar Al-Sadat konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden.

Nach Stationen in Saudi-Arabien, Tschetschenien und in Europa landete Al-Sawahiri schließlich in der pakistanischen Stadt Peschawar. Im Jahr 1987 soll er dort Bin Laden kennengelernt haben.

Doch erst 1998 beschlossen die beiden Männer zusammen mit weiteren Top-Terroristen, ihre Gefolgschaft zu einer gemeinsamen islamistischen Terrororganisation zu vereinigen: Al-Kaida.

Heiliger Krieg angekündigt

Die Terroristen nahmen die Ernennung Al-Sawahiris zum neuen "Emir" zum Anlass, um ihre Position zu verschiedenen grundlegenden Fragen darzustellen.

In der Botschaft heißt es unter anderem: "Wir bereiten uns vor für den Heiligen Krieg gegen die ungläubigen Invasoren und an ihrer Spitze die Kreuzfahrer aus den USA und ihr Mündel Israel sowie gegen jeden Herrscher, der sie unterstützt."

Außerdem erklärten die Terroristen: "Wir loben die arabischen Revolutionen in Ägypten, Tunesien, Libyen, im Jemen, in Syrien und in Marokko, und wir ermutigen auch die anderen muslimischen Völker, ihre korrupten Regime zu stürzen."

Authentizität der Botschaft unklar

Die Authentizität der Al-Kaida-Botschaft ließ sich nicht überprüfen. Der Inhalt und die Art und Weise, wie sie veröffentlicht wurde, legt jedoch die Vermutung nahe, dass sie tatsächlich von der Führungsebene des Terrornetzwerkes stammt.

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