Ärzte Zeitung online, 01.07.2011

Den USA geht die Giftspritze aus

Als zweites Pharmaunternehmen hat sich Lundbeck gegen die Praxis der Hinrichtung mit der Giftspritze in den USA gewandt. Gefängnisse sollen künftig kein Pentobarbital mehr erhalten. Den Staaten fehlt nun eines der drei Mittel für die letale Injektion.

Den USA geht die Giftspritze aus

Todeszelle in den USA: Pentobarbital fehlt jetzt.

© dpa

VALBY (nös). Künftig müssen sich die USA ein neues Sedativum für ihre Giftspritzen suchen müssen. Der Grund: Das dänische Pharmaunternehmen Lundbeck macht ernst und will den Gefängnissen in den betroffenen Bundesstaaten künftig verbieten, ihre Pentobarbital-Infusionslösung Nembutal® für die Hinrichtung einzusetzen.

Das Unternehmen werden künftig von jedem Besteller eine Erklärung verlangen, dass das Präparat nicht zur Hinrichtung eingesetzt wird, hieß es in einer Mitteilung. Die Lieferung erfolge erst nach einer ausreichenden Prüfung.

Vorausgegangen war der jetzigen Entscheidung eine lange Diskussion, die vor allem in den USA eine breite Öffentlichkeit fand. Rund 60 Ärzte hatten jüngst in einem Leserbrief an Lundbeck appelliert, das Präparat vom Markt zu nehmen.

Lundbeck wiederum verwies auf den medizinischen Zweck. Nembutal® ist als einziges Pentobarbital-Produkt in den USA unter anderem zur Behandlung bei einem Status epilepticus zugelassen. Kliniken hatten zuvor die Notwendigkeit unterstrichen, auch weiterhin auf das Mittel zurückgreifen zu können.

Die US-Bundesstaaten, die Hinrichtungen mit der Giftspritze vollstrecken, haben seit rund einem Jahr ein massives Problem. Anfang des vergangenen Jahres wurde Thiopental-Natrium knapp, das bislang als erstes von drei Arzneimitteln für die Giftspritze verwendet wurde.

Kurz darauf verweigerte der einzige Hersteller des Präparates, Hospira, die weitere Produktion. Schließlich nahm das Unternehmen aus Protest gegen die Hinrichtungen das Arzneimittel ganz vom Markt.

Seitdem sind einige US-Bundesstaaten auf Pentobarbital umgestiegen. Einziger Lieferant in den USA ist Lundbeck. Teilweise hatten die US-Bundesstaaten sogar versucht, Thiopental oder Pentobarbital im Ausland, darunter auch EU-Staaten einzukaufen.

[04.07.2011, 14:56:04]
Dr. Horst Grünwoldt 
"Giftspritze"
In der Veterinärmedizin besteht die "Euthanasie" (gr. "die wahre oder schöne Tötung") in der primären Applikation eines Barbiturats und der anschließenden streng i.V. Injektion des (Herz-)Giftes T 61. Das erste Mittel gehört bekanntlich zu den verschreibungspflichtigen Narkotika und Sedativa -und ist kein "Gift"; T 61 ist kein Arzneimittel, sondern eine "giftige" Chemikalie. Dieses sog. "Einschläfern" von unheilbar kranken oder verletzten warmblütigen Wirbeltieren wird von prkatizierenden Tierärzten und mitleidenden Patientenbesitzern als ganz und gar humane Methode der Wahl-Tötung angesehen. Insofern überraschen mich die Verhältnisse in amerikanischen Gefängnissen und die Handlungsweise des dänischen Pharmaherstellers Lundbeck. Schließlich ist die Methode des "Einschläferns" immer dem grausamen elektrischen Stuhl oder der Guillotine vorzuziehen; wenn denn überhaupt getötet werden muß.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock  zum Beitrag »

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