Ärzte Zeitung online, 07.07.2011

USA warnen vor der Körper-Bombe

Tragen Terroristen künftig Sprengstoff nicht mehr an, sondern in sich? Die USA warnen jetzt davor: Attentätern könnten künftig die Bomben chirurgisch eingepflanzt werden. Die US-Regierung reagiert auf die mögliche Bedrohung und kündigt erweiterte Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen an.

USA warnen vor der Zäpfchenbombe

Körperscanner in den USA: Wirkungslos bei "internistischen Bomben"?

© dpa

LOS ANGELES (ths). Die US-Regierung hat ihre Fluglinien vor der Gefahr chirurgisch implantierter Bomben gewarnt. Terroristen könnten mit in den Körper eingepflanzten Sprengsätzen Anschläge verüben. Das berichten mehrere US-Medien.

Zwar gebe es keinen Hinweis auf eine unmittelbare Bedrohung, doch die US-Regierung traue es den Terroristen zu, solche Pläne zu hegen, um die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen zu überlisten, hieß es in einem Bericht der "Los Angeles Times".

Scanner können Sprengstoff im Körper nicht erkennen

Die US-Geheimdienste hätten Informationen vorliegen, dass sich terroristische Gruppen wie al-Qaida ernsthaft mit der Technik beschäftigen, so das Blatt. Auch der französische Inlandsgeheimdienst hatte vor rund zwei Jahren vor der Gefahr implantierter Bomben gewarnt.

Der große Vorteil für die Terroristen: Wenn sich der Sprengstoff im Körperinneren befindet, lässt er sich nicht bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen aufspüren.

Die derzeit vorhandenen Scanner könnten Bomben unter der Haut von Personen nicht erkennen, schrieb die "Los Angeles Times".

Sicherheitsvorkehrungen werden ausgebaut

Trotzdem kündigten die Vereinigten Staaten Medienberichten zufolge an, die Sicherheitsvorkehrungen auszubauen - und zwar sowohl auf US-Flughäfen als auch auf internationalen Flughäfen, von denen man in die USA reisen kann.

Nicholas Kimball, ein Sprecher der Verkehrssicherheitsbehörde (Transportation Security Administration), sagte der "LA Times", dass sich Flugpassagiere auf zusätzliche Sicherheitskontrollen einstellen müssten - wie beispielsweise auf gezielte Befragungen und weitere körperliche Untersuchungen.

"Diese Vorsichtsmaßnahmen sollen unvorhersehbar sein. Sie werden nicht an jedem Flughafen gleich sein", sagte Kimball.

Wie kommt Bombe in den Körper

Wie und ob es überhaupt gelingen kann, Sprengstoff in den Körper einzupflanzen, ist nicht genau geklärt.

"Es gibt eine Reihe technischer Probleme damit, eine Bombe in den menschlichen Körper zu operieren", sagte Sicherheitsexperte Juan Zarate dem US-Sender CBS.

Und um massive Schäden anzurichten, müsste die Bombe schon groß genug sein.

Gescheiterter Anschlag 2009

Zu einem solchen Anschlag war es bereits im Sommer 2009 gekommen. Damals wollte ein Terrorist mit einer Bombe, die in seinen Eingeweiden versteckt war, den saudischen Prinzen Muhammad bin Naif bin Adbul Aziz Al Saud mit sich in den Tod reißen.

Allerdings scheiterte der Anschlag, der Terrorist starb bei dem Versuch. Prinz Muhammad bin Naif wurde nur leicht verletzt.

Später wurde spekuliert, dass die "Zäpfchenbombe" im Grunde wenig "Erfolg" bringt. Das Problem sind die Organe und Gewebe, die durch das nahe Anliegen selbst die Wucht größerer Sprengsätze enorm dämpfen.

Die Bomben müssten letztlich so groß sein, dass sie gar nicht in die vorhandenen Hohlräume des menschlichen Abdomens passen würden.

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