Samstag, 22. November 2014
Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

Fett macht glücklich

LEUVEN (gwa). Traurig? Dann kann eine kleine fettige Mahlzeit glücklicher machen. Denn: Fett aktiviert im Darm einen Nervensignalweg, der Glückszentren im Gehirn stimuliert.

Fett macht glücklich

Fette Würstchen: Nach den Studienergebnissen aus Belgien und Großbritannien könnten sie zum Glück beitragen.

© grzym / shutterstock

Das zumindest legen Daten einer kleinen Studie von Forschern aus Leuven, London und Manchester nahe.

Dass Essen und Gefühle sich gegenseitig beeinflussen, ist bekannt: Es gibt Menschen, die Frust oder Stress mit Essen bekämpfen, oder solche, die gerne essen, weil sie dann Glücksgefühle spüren. Auch die Appetitlosigkeit bei Depressionen ist bekannt.

Mit fMRT dem Darm-Hirn-Signalweg auf der Spur

Die belgischen und britischen Wissenschaftler wollten nun sichtbar machen, wie - induziert durch Nahrungsreize - Nervensignale aus dem Darm Hirnzentren stimulieren, und wie Gefühle etwa durch Fett beeinflusst werden. Dazu nutzten sie funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT).

Der Versuchsaufbau war relativ einfach: Mittels klassischer Musik wurden Gefühle wie Traurigkeit oder Ausgeglichenheit ausgelöst. Forscher nutzen solche Musikstücke, um standardisiert Gefühle zu erzeugen.

Dazu gehören das Adagio g-Moll von Tomaso Albinoni (traurig), Mozarts "Kleine Nachtmusik" (glücklich) oder Händels "Wassermusik" (ausgeglichen).

Dann wurde geprüft, ob und wie eine Kochsalz- und eine Fettsäure-haltige Lösung diese Gefühle beeinflussten.

Dazu kamen zwölf gesunde normalgewichtig Probanden an vier verschiedenen Tagen nach 12-stündigem Fasten zur fMRT. Zunächst wurden fMRT-Aufnahmen als Vergleichsgrundlage gemacht (J Clin Invest. 2011; 121(8): 3094-3099).

Traurigkeit wurde per Musik und Bildern erzeugt

Dann lauschten die Teilnehmer eine gute halbe Stunde elf Musikstücken der Kategorie traurig oder ausgeglichen. Gleichzeitig wurden ihnen auf einem Monitor Bilder von Menschen mit traurigem oder neutralem Gesichtsausdruck gezeigt.

Anschließend erhielten sie 250 ml Fettsäure- oder 0,9-prozentige Kochsalzlösung über eine Magensonde, damit sie weder sehen, riechen noch schmecken konnten, welche Flüssigkeit sie bekamen. Als Fettsäure verwendeten die Forscher des gesättigte Dodecansäure, auch als Laurinsäure bekannt (C12H24O2).

fMRT-Bilder wurden vor, während der Musik- und Infusionszeit und im Anschluss gemacht. Außerdem wurden Hungergefühle und Stimmung abgefragt, die die Probanden mittels eines Pointers auf gezeigten Skalen beantworteten.

Insgesamt wurden von jedem Probanden vier Scans an vier verschiedenen Tagen mit jeweils einer der vier möglichen Musik-Flüssigkeits-Konstellationen angefertigt.

Fettsäuren induzierten Aktivitäten im Cortex cingularis und anderen Arealen

Ergebnis: Die Fettsäure-Lösung reduzierte im Vergleich zur Kochsalzlösung nicht nur das Hungergefühl. Sie wirkte auch stimmungsaufhellend. Und zwar dadurch, dass via Vagusnerv-Fasern Impulse aus dem Darm Hirnareale stimuliert wurden: etwa im Hypothalamus, Thalamus, Hippocampus, und Cortex cingularis.

Diese Studien-Erkenntnisse lieferten eine neurobiologische Erklärung bekannter Phänomene wie Frustessen oder Essstörungen bei Depressionen, so die Forscher. Und könnten helfen, die Interaktionen zwischen Psyche und Essverhalten besser zu verstehen.

Allerdings sollte die Studie nicht als Aufruf zu übermäßigem Fettkonsum verstanden werden. Denn: Zuviel Körperfett macht unglücklich.

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